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Zunächst lieber Altersgrenzen einhalten

Betrifft:

„Problem wird angepackt“, Verschiedene Kommentare und Berichte in der NWZ zur Rente mit 67

Sicherlich verunsichert man die Bürgerinnen und Bürger, wenn nun doch ein schnelleres Erreichen des Renteneintrittsalters 67 propagiert wird. Und auch richtig sind – allen Erhebungen zufolge – die zu niedrigen Beschäftigungszahlen der über 50-Jährigen. Klar ist vor diesem Hintergrund, dass durch die Beschlüsse nicht zur Realität wird, dass die meisten Arbeitnehmer tatsächlich bis 67 arbeiten und damit effektiv Rentenkürzungen auf die Menschen zukommen.

Genauso klar ist allerdings auch, wie sich die Demographie auf unser umlagefinanziertes System auswirkt. Angesichts der älter werdenden Bevölkerung gehen die Rentenkassen immer mehr in die Knie. Ein Nichtstun würde nur den totalen Crash in der Zukunft bedeuten.

Wir müssen uns verabschieden von der Illusion, dass der Sozialstaat für alle sorgt, aber seine eigene Existenz dabei vergisst. Eine erhöhte Eigenvorsorge heißt dabei nicht, den Sozialstaat abzuschaffen. Die Wahrnehmung der eigenen Verantwortung für seine Sicherheit im Alter geht damit sogar einher mit der individuellen und kollektiven Verantwortung für den Sozialstaat. (...)

Henning Schmidt

Oldenburg

F

Müntefering und die gesamte Dr. Merkel-Regierung handeln schlichtweg unanständig mit ihrem Vorhaben, im Hauruck-Verfahren das Renteneintrittsalter auf 67 festzulegen. Es sollten unbedingt die richtigen Reihenfolgen eingehalten werden. Solange der Trend zur Frühverrentung durch Herausdrängen aller über 55-Jährigen unvermindert anhält, zurzeit sogar wieder verstärkt betrieben wird, sollten die Regierenden ihren Einfluss geltend machen, die bisherigen Altersgrenzen einzuhalten bzw. zu erreichen. Solange das nicht geschieht, muss jede Anhebung des Renteneintrittsalters tabu sein, weil sie ausschließlich als Rentenkürzungsprogramm dient.

Die Aussage, bei 45-jähriger beitragspflichtiger Beschäftigung bliebe alles beim Alten, ist blanker Zynismus. Bei den derzeitigen, viel zu späten Eintritten ins Berufsleben (auch hier wäre die Politik gefragt!) wird kaum jemand 45 Jahre beitragspflichtige Beschäftigung erreichen.

Lothar Weibezahl

Leer

F

Wieder einmal ist es der Politik und den Arbeitgeberverbänden gelungen, uns einfache Arbeitnehmer sowie alle anderen Durchschnittsbürger völlig zu verunsichern und uns jegliche Lust auf „Konsum“ zu nehmen und damit erneut die Binnennachfrage in den Keller zu fahren. Denn was bedeutet das politische Vorhaben „Rente mit 67“? Da auch die Politiker und Wirtschaftsmanager wissen müssen, dass z.B. Schichtarbeiter, Polizisten, Bauarbeiter, Krankenschwesternund Notärzte nicht bis zum 67. Lebensjahr arbeiten können, steckt dahinter doch nur eine „massive Rentenkürzung“. Und das, obwohl klar ist, dass der Geburtenrückgang nicht viel mit den leeren Rentenkassen zu tun hat. Hierfür ist viel mehr die Plünderung der Rentenkassen zugunsten versicherungsfremder Aufgaben verantwortlich. Auf jeden Fall werden die Menschen in der Zukunft noch weniger Geld für den Konsum ausgeben und mehr fürs Alter sparen müssen. Als Folge daraus werden noch mehr Geschäfte in den

Fußgängerzonen (auch in der Wesermarsch) leerstehen. Es sei denn, die Politik wacht endlich auf und handelt endlich richtig.

Reinhard Schindler

Nordenham

F

Also, wir Rentner müssen noch dankbar sein, dass es dieses Jahr wieder nur eine Nullrunde bei den Renten gibt, und das nach Praxisgebühr, höheren Zuzahlungen, horrend gestiegenen Medikamentenpreisen und Übernahme der kompletten Pflegeversicherung. Wie so oft in den Stellungnahmen arbeitet auch Ihr Kommentar mit Wahrscheinlichkeiten, und auf denen ist auch der entsprechende Regierungsbeschluss aufgebaut. Wenn es zutrifft – wie an anderer Stelle der gleichen Ausgabe Ihrer Zeitung berichtet – dass in der Bezugsgröße der Bruttolöhne und -gehälter immer noch alle Mini- und Ein-Euro-Jobs enthalten sind (die zwar rückläufig sind, aber dennoch gar nicht hier hinein gehören), dann würde mich schon interessieren, wie hoch die tatsächliche Veränderung der Bruttolöhne in den zurückliegenden Jahren ist.

Laut vorläufiger Berechnung des Stat. Bundesamtes beliefen sich die Bruttolöhne und -gehälter in 2005 auf ca. 909 Milliarden Euro, also 0,3 Prozent weniger als 2004. Bei so einem geringen Rückgang wäre es schon interessant zu wissen, was nach Abzug aller Mini-und Ein-Euro-Jobs und sonstiger nicht hineingehörender Beträge dann herauskommt. Vielleicht doch ein Plus? (...)

Peter Waber-Ritschel

Cappeln

F

Frührentner sind dies nicht aus Jux und Tollerei, sondern weil ihre Gesundheit den Belastungen des Arbeitslebens nicht mehr standhält. Arbeitsverdichtung und Einseitigkeit mancher heutiger Arbeit führt die Betroffenen früher als ihnen lieb ist an die biologischen und psychischen Grenzen. Wir Betriebsärzte kennen hunderte solcher Fälle.

Wer hier etwas ändern will, muss zweierlei tun: Arbeitsbedingungen müssen gesundheitsgerechter und hierdurch auch altersgerechter gestaltet werden. Und betriebliche Gesundheitsförderung muss endlich breit und intensiv umgesetzt werden, damit wenigstens die nächste Generation der „Alten“ gesünder und auch belastbarer wird. Illusion? Nein, unausweichbare Notwendigkeit. Der Nachwuchs in den Betrieben geht zunehmend aus. Wer in zehn Jahren einen Betrieb führen will, braucht dazu die „Alten“. Die müssen das aber gesundheitlich können. Niemandem ist dann damit gedient, wenn die – zwar mit Rentenabschlag – zu Hause sitzen.

Dr. med. Mathias Dietrich

Rastede
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