BERLIN/HAMBURG - Viele Benimmregeln passen nicht mehr in die heutige Zeit. Dafür bringt sie neue Fettnäpfchen hervor – und neue Regeln, die viele nicht kennen. Es gehört sich zum Beispiel nicht, den Milchschaum der Latte Macchiato zu löffeln. Und wenn das Handy an der Supermarktkasse klingelt, ist es unhöflich, beim Bezahlen ans Telefon zu gehen.

„Eine Latte Macchiato ist kein Dessert, das man löffelt, sondern ein Getränk“, erläutert die Etikette-Trainerin Nandine Meyden aus Berlin. „Getränke werden getrunken und nicht gegessen.“ Außerdem gelte nach wie vor die Regel, dass Kaffeelöffel nach dem Umrühren nicht abgeleckt, sondern auf der Untertasse abgelegt werden sollten.

Nach dem Essen gehört sich längst nicht jeder Kaffee – ein Cappuccino beispielsweise gilt als tabu. „Nach einem mehrgängigen Essen gehört zum Abschluss nur ein Espresso“, sagt Imme Vogelsang vom Netzwerk Etikette Trainer International (ETI) in Hamburg. „Wer nach einem Menü etwas mit Milch trinkt, signalisiert damit dem

Gastgeber: Ich bin nicht satt geworden.“

Auch beim Wein ist den Expertinnen zufolge viel Unsicherheit und Unwissen vorhanden. Das Glas gehört zum Beispiel nicht am Kelch angefasst: „Ein Glas mit Stil hat einen Stil, weil man es am Stil anfasst“, erklärt Vogelsang. Alles andere hinterlasse Abdrücke von Fett oder Schweiß. Und die Hand am Glas verändere die Trinktemperatur des Weins.

Zu den Verhaltensweisen, die man besser unterlässt, gehört das Telefonieren beim Einkaufen. Es sei in dieser Situation besser, das Telefonat kurz anzunehmen, auf den ungünstigen Zeitpunkt hinzuweisen und einen Rückruf in ein paar Minuten anzubieten.