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Lebensweg: Druide glaubt an Kraft der Erde

15.05.2021

Bodenwerder In seinem früheren Leben war Michel vom Berch erst Polizist, dann Verwaltungsbeamter und später Unternehmer mit mehr als 100 Angestellten. Heute ist der 65-Jährige Druide, trägt langes weißes Haar und Bart.

„Ich verstehe mich als Kräuter- und Pilzkundiger“, sagt der Mann aus Bodenwerder im Weserbergland. „Ich bin kein Apotheker und kein Heilpraktiker.“ Rund 30 Tinkturen, Elixiere und Tränke kann vom Berch mischen, verkauft sie aber nicht. Sein Zaubertrank zum Beispiel enthält unter anderem gehackte Walnüsse, Mistel, Beifuß und Johanniskraut – die Zubereitung in Glasballons dauert Wochen. In seinen Genuss kommen Familie, Freunde oder Teilnehmer der Wald-Erkundungen des Druiden, die zuletzt coronabedingt monatelang ausfallen mussten.

Zutaten aus den Wald

Im Moment streift Michel vom Berch meist allein durch den Vogler. Der Buchen-Mischwald beginnt nur wenige Meter hinter dem Holzhaus, in dem der Druide mit seiner Ehefrau und ältesten Enkelin lebt. Vom Berch hat immer ein Gehörn dabei zum Ausgraben von Wurzeln, eine Botanisiertrommel, in der er Knospen, Zapfen oder Früchte sammelt, sowie eine kleine Sichel. „Die ist aber nicht golden wie bei Miraculix“, sagt er und lächelt. Der Medizinmann aus den „Asterix“-Comics ist der wohl berühmteste Druide. Bei den Kelten vor 1500 bis 2500 Jahren hatten die Gelehrten und Heiler eine wichtige Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft.

Vom Berch versteht sich als Druide der Neuzeit: „Ich habe kein weißes Ross, sondern einen SUV.“ Seine Bibliothek umfasst mehr als 900 Fachbücher, darunter antiquarische Lexika mit Rezepturen sowie eigene Aufzeichnungen. Über die Wirkweise von Pflanzen recherchiert er zudem im Internet. „Jahrhundertelang wurde Huflattich gegen Husten empfohlen, weil er den Schleim löst. Heute weiß man, dass er auch die Leber angreift. Deshalb nehme ich lieber Efeu.“

In sozialen Medien aktiv

Auch bei Facebook und Instagram ist vom Berch aktiv, auf YouTube gibt es Koch-Videos von ihm. In den letzten Wochen hat der Kräutermann Bärlauch und Giersch für Pesto sowie Tannenspitzen für Gelee gesammelt. Die jungen Pflanzen wirkten wie eine Frühjahrskur, schwärmt er.

Bundesweit bietet der 65-Jährige Hochzeitszeremonien nach keltischem Brauch an – das sogenannte Handfasting. Wer seine Dienste – zum Beispiel als Trauerredner – in Anspruch nimmt, ist nicht unbedingt Kelten-, Mittelalter- oder Fantasy-Fan. „Es gibt viele Menschen, die eine Zeremonie wünschen, aber mit der Kirche nichts mehr zu tun haben.“ Wie die Kelten an einen Donner- oder Sonnengott glaubt vom Berch nicht – wohl aber an die Kraft der Erde.

Das Neo-Druidentum ist vor allem in Großbritannien verbreitet und dort seit 2010 sogar als Religion anerkannt. In Deutschland gibt es mehrere Vereinigungen. Der Orden der Barden, Ovaten und Druiden (OBOD) etwa versteht sich als eine Schule für Mysterien und Naturspiritualität. Es gehe darum, eine starke Verbindung zur Natur aufzubauen, erklären die Organisatoren. Druiden seien Freiheitsstifter und Weisheitssuchende, jede Art von Radikalität habe in ihrem Orden keinen Platz.

Michel vom Berch ist ein selbst gewählter Ordensname, allerdings sucht der Druide aus Bodenwerder keine Stammtische auf. Er mag weder Vereinsmeierei noch hierarchische Strukturen.

Sinn hinterfragt

Die Entscheidung, sein Leben radikal zu ändern, traf er nach dem Unfalltod seines jüngsten Sohnes im Alter von 21 Jahren. „Das ist das Schlimmste, was Eltern passieren kann. Man hinterfragt den Sinn von allem“, sagt er. Zuvor hatte schon ein Herzinfarkt den Unternehmer ausgebremst. Er trennte sich von seinen Firmen, darunter eine Hausverwaltung, eine Gebäudereinigung und ein mobiler Hunde-Salon. „Ich lebe viel intensiver“, sagt der Druide. „Es ist keine Kunstform, sondern die Art, wie ich leben möchte.“

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