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Pflanzen: Kleine Kohl-Kulturgeschichte

12.02.2022

Bonn Liebende in Frankreich nennen sich „mon petit chou“ – mein kleiner Kohl; Deutsche können mit dem Namen sogar Kanzler. Ein Blick über den Tellerrand.

Im Winter rückt Kohl weit hoch auf dem Speisezettel. Doch was ist das für eine so vielfältige Pflanze, die überall auf der Welt wächst und nach Tomaten heute das häufigste Gemüse der Welt ist?

Pietro Andrea Mattioli (1501-1577), Leibarzt von Kaiser Maximilian II., schreibt in seinem „New Kreüterbuch mit den allerschönsten vnd artlichsten Figuren“: „Kolkraut nennet man Griechisch kaulos. Arabisch Corumb. Lateinisch Brassica. Spanisch Colhes. Französisch Choils.“ Und: „Wer weiter von des Kolkrauts tugende zu wissen begert, der lese Catonem de re Rustica cap. 156.“

In der Tat: Bereits Cato der Ältere und vor ihm Plato, Aristoteles und Hippokrates schrieben viel über Kaulos respektive Brassica. Und im Comic-Band „Asterix bei den Belgiern“ kann man erfahren, dass den römischen Senatoren – oder zumindest einigen – die beklemmende Lage der Brassica-Bauern wegen anhaltender Trockenheit durchaus am Herzen lag.

Cäsar soll Kohl pflanzen

Zugegeben: Letzteres ist eine Legende, und Rosenkohl (englisch „Brussels sprouts“, Brüsseler Sprossen) gehört als jüngere Züchtung erst ins späte 18. Jahrhundert. Interessant und von sprachlicher Bedeutung ist allerdings die gekränkte Bemerkung des referierenden Senators, als er von Cäsar allzu barsch unterbrochen wird. Im französischen Original antwortet er, Cäsar solle doch darüber nachdenken „d’aller planter les choux“, mithin „Kohl pflanzen“ und also in Rente zu gehen.

Die älteren Kohlsorten – insgesamt gehören rund 40 Arten zur Gattung Brassica – sind Gewächse der warmen Mittelmeerregion und wahrscheinlich noch nicht in der heutigen Wohlgestalt dichter konzentrischer Blätter vorzustellen.

Genügsamer Grünkohl

Sein Nährwert, seine Lagerfähigkeit (im eingelegten Zustand) und seine wachsende klimatische Unempfindlichkeit sorgten allerdings schon im Mittelalter für eine Wanderung auch in nördliche Küstenregionen. In Pflanzverzeichnissen karolingischer Klöster taucht bereits „caulis“ auf. Und bei der früh ökokundigen Ordensfrau Hildegard von Bingen (1098-1179) steht sogar Rotkraut auf dem Speisezettel.

Der Kohl – übrigens ein Verwandter von Rüben, Senf, und Radieschen – spielte in der mittelalterlichen Ernährung eine wichtige Rolle, wenn auch vor allem als Essen der Armen, etwa im Eintopf. Besonders Grünkohl schien regelrecht unverwüstlich, genügsam auch unter ungünstigen Wetter- und Bodenverhältnissen.

Ein weiterer Vorteil: Die Ernte setzte sogar erst nach dem ersten Frost ein und konnte bis ins Frühjahr weitergehen. Damit brauchte es keine Vorratshaltung für den Winter; der Grünkohl blieb einfach bis zur Ernte „frisch“ auf dem Feld.

Spitzname „Krauts“

Solcherlei Vorzüge verblüfften auch einen gewissen Fabio Chigi, ab 1644 Gesandter bei den Verhandlungen zum Westfälischen Frieden in Münster. Der spätere Papst Alexander VII. (1655-1667) berichtete nach Hause: „Man sieht auf den Feldern häufig bläulichen Kohl, der nimmer verdirbt, währt lange auch der Winter, und der seine Gaben verteilt an Menschen, Ochsen und Schweine.“ Grünkohlessen mit Speck, Kasseler und Pinkel ist heute ein saisonales kulinarisches Event für unzählige Vereine und Clubs.

Kohl wird heute auf allen Kontinenten angebaut. Uns Deutschen trug er nicht erst seit Kanzler Helmut Kohl, sondern schon im Zweiten Weltkrieg den Spitznamen „Krauts“ ein. Sauerkraut, sehr haltbar und reich an Vitamin C, spielte übrigens auch eine namhafte Rolle in der Epoche der großen Entdecker. Denn es bewahrte die Seeleute vor der Mangelkrankheit Skorbut. Obst oder anderes frisches Gemüse standen ihnen nicht zur Verfügung.

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