Bremen - „Ich liebe es zu lernen und das neue Wissen umzusetzen“, sagt Sven Voelpel. Beides praktiziert er in vollen Zügen: Als Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Jacobs University Bremen forscht er unter anderem zum demographischen Wandel. Als Gründer und Direktor der WISE (Weisheit – Innovation – Strategie – Energie) Forschergruppe und des WISE Demographie Netzwerks unterstützt er Unternehmen mit neuem Wissen. Als Altersforscher und Bestsellerautor geht er der Frage nach, was wir tun können, um gesund alt zu werden und probiert alle gewonnen Erkenntnisse selbst aus – etwa die erfrischende Wirkung tiefer Atmung. „Dass tief durchatmen entspannt, ist bekannt, aber es macht auch fitter.“
Formel anpassbar
Erkenntnisse zum gesunden Leben aus ganz verschiedenen Bereichen hat er in seinem neuen Buch „Die Jungbrunnenformel“ zusammengestellt. Denn Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen zu vernetzen, ist für ihn entscheidend. Neben der Atmung spielt der Schlaf in dieser Formel eine große Rolle. Ein Punkt, der im Leben des 46-Jährigen etwas zu kurz kommt. Denn anders lässt sich sein Pensum als Wissenschaftler mit (Gast-) Professuren und Forschungsstellen unter anderem in Harvard (USA), China, Indien, Brasilien, und Südafrika, Beratertätigkeiten, etwa für Daimler, Deutsche Bahn oder Lufthansa, Buchautor und Vater nicht bewältigen. „Dabei ist Schlaf enorm wichtig für die Regeneration des Gehirns und des Körpers. Zum Glück kann jeder die Jungbrunnenformel an sein Leben anpassen. Man kann etwa den Regenerationsbedarf durch gesunde Ernährung und Bewegung senken“, fügt Voelpel lächelnd hinzu.
Basilikum antibiotisch
Beides Bereiche in denen er Pluspunkte sammelt, etwa indem er auf Kräuter und Gewürze setzt: „Basilikum wirkt antibiotisch und Kurkuma ist entzündungshemmender als Ibuprofen.“ Bewegung integriert Voelpel – auch aus Zeitmangel – in den Alltag, zum Beispiel wenn er mit seinem Jüngsten auf dem Arm zur Kita rennt oder mit beiden Söhnen im Krabbengang auf allen vieren die Treppe runterkriecht. „Das macht total Spaß“, grinst er.
Für die Familie nimmt sich Sven Voelpel Zeit. Wenn er abends zwischen sechs und sieben Uhr nach Hause kommt, steht für zwei bis drei Stunden alles andere zurück. Dann sind Bewegung mit den Jungs, gemeinsames Essen und der Austausch über den Tag angesagt. „Ich frage immer, was sie mir erzählen möchten, was am Blödesten war und was am Schönsten. Wobei es nur eine blödeste Sache geben darf, aber drei bis vier schöne – denn auch eine positive Einstellung ist wichtig, um glücklich und gesund zu leben.“
Gemeinsam genießen
Neben Arbeit und Familie bleibt dem leidenschaftlichen Tänzer kaum Zeit für anderes. „Ich habe viele Freunde auf der ganzen Welt, aber wenn wir uns treffen wollen, scheitert das meist an der Terminfindung. Dafür telefonieren wir intensiv und wirklich tief gehend“, erzählt Voelpel. „Ich war immer stark rational unterwegs, aber inzwischen habe ich gemerkt, dass Emotionales viel wichtiger ist. Es ist mir anfangs sehr schwer- gefallen, aber jetzt frage ich nach. Dadurch sammle ich Lebenserfahrung und kann mein Leben glücklich mit anderen gemeinsam genießen.“
Die soziale Interaktion ist ein weiterer Faktor der Jungbrunnenformel – „der total unterschätzt wird“, ergänzt Voelpel. „Alle Menschen, die sehr alt werden, sind bis zum Schluss sozial aktiv, treffen sich etwa zum Singen oder Tanzen und trinken danach noch ein Gläschen zusammen. Denn die Lebensfreude darf nicht zu kurz kommen.“
