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Nachhaltigkeit: Fisch und Gemüse aus der Stadt

13.02.2021

Bremen „Ich will etwas machen, in dem ich einen Sinn sehe und wobei ich nicht nur am Computer sitze.“ Mit einer Aquaponik-Anlage, in der mit dem nährstoffreichen Wasser aus einer Fischzucht Gemüse gezogen wird, hat Denis Kapieske genau das gefunden. Zusammen mit drei anderen baut der Bremer die Aquaponik-Farm „Watertuun“ auf.

Dass der 32-Jährige diesen Weg eingeschlagen hat, hängt auch mit seiner Bachelorarbeit in Umwelttechnik an der Hochschule Bremen zusammen: „Ich sollte einen Deponiestandort suchen. Das war zwar sinnvoll, aber der Stoff war so trocken und hat mich überhaupt nicht erfüllt.“ Eine spannendere Möglichkeit ergab sich aus Gesprächen mit seinem langjährigen Freund Enno Fricke und dessen Kommilitonen Anna Brünner und Lucas Lansing. Die drei studierten an der Uni Bremen Biologie.

Reststoffe nutzen

„Wir sollten Kreisläufe schließen. Zum Beispiel könnten auf Reststoffen, die bei der Produktion von Nahrungsmitteln anfallen, Insekten gezogen werden. Diese könnten wiederum an Fische verfüttert werden. Das nährstoffreiche Wasser aus der Fischzucht kann verwendet werden, um Kräuter, Salat und anderes Gemüse zu ziehen“, sagt Denis Kapieske.

Die Fisch- und Gemüsezucht haben sich die vier jungen Bremer vorgenommen. Und zwar direkt dort, wo auch die Verbraucher wohnen. Denn das minimiert Transportwege. Außerdem spart der Kreislauf in der Aquaponik-Anlage Wasser. „So richtig ausformuliert haben wir die Idee erst, als wir 2018 von einem Crowdfunding-Contest erfahren haben“, berichtet Denis Kapieske. „Dafür haben wir uns von Anfang an voll reingehängt. Wir haben etwa in der Halle 8 in Bremen einen Stand aufgebaut mit einigen Tomatenpflanzen, einem Aquarium mit Grundeln und einem Rohr mit Pflanzen. Das hat die Leute neugierig gemacht und wir haben unser Projekt erklärt.“

Viel Zuspruch beflügelt

Der Einsatz hat sich gelohnt. Von allen 30 Projekten, die an dem Crowdfunding-Contest teilgenommen haben, konnte „Watertuun“ die meisten Unterstützer aufweisen. Dafür gab es nochmal 10 000 Euro extra. „Wir waren echt überwältigt. Wir hätten nie gedacht, dass es gleich so gut klappt. Der Zuspruch von vielen Menschen hat uns sehr beflügelt“, erinnert sich Denis Kapieske.

Mit einem Startguthaben von knapp 24 000 Euro legten die Studierenden los und bauten eine kleine Hinterhofanlage auf, die sie zwei Jahre lang betrieben. Denn einen Standort für eine größere Anlage zu finden, war gar nicht so einfach. „Wir haben sehr lange gesucht. Das Bauamt war auch mal nicht mit unseren Plänen einverstanden.“ Aber vor einem Jahr haben die Watertuuntjers, wie sie sich selbst nennen, ein Gebäude in der Überseestadt gemietet und eine Aquakulturanlage in den Keller und das Erdgeschoss gebaut. Außerdem haben sie ein Gewächshaus in Fulda erstanden, um darin Pflanzen vorzuziehen. „Es hat lange gedauert bis wir die Baugenehmigung bekommen haben, aber inzwischen steht der Stahlrahmen in Bremen und wir wollen bis März/April das Glas drinhaben“, so Denis Kapieske.

Forschung und Bildung

Umweltbildung und Forschungsprojekte sollen bei Watertuun auch laufen. „Lucas Lansing studiert ja noch zusätzlich auf Lehramt. Er hat ein Lehrkonzept ausgearbeitet. Es hatte sich auch schon eine erste Klasse angemeldet, aber dann kam der Lockdown.“ Auch ein Forschungsvorhaben, das für drei Jahre vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert wird, ist coronabedingt um ein Jahr verschoben worden. An dem Projekt sind die Hochschulen Bremen und Bremerhaven, das Alfred-Wegener-Institut Bremerhaven und sechs Unternehmen beteiligt. Es geht darum, die Aquaponik-Technologie weiterzuentwickeln.

Die Watertuuntjer feilen zurzeit an Ideen, wie sie das Jahr überbrücken bis die Förderung kommt. „Vielleicht starten wir einen Verein oder wir verkaufen einige unserer Produkte, aber das wird nicht reichen. Dafür ist die Anlage zu klein“, überlegt Denis Kapieske. Ein Konzept für eine größere Anlage entwirft er derzeit für seine Masterarbeit. Wird dieses zusammen mit Umweltbildungsangeboten bei Watertuun Wirklichkeit, könnte der 32-Jährige sein Ziel durchaus erreichen und Watertuun ihm eine komplette berufliche Perspektive bieten.


     watertuun.de 
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