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Lebenslauf Mit viel Eigeninitiative ans Ziel

Heidi Scharvogel

Cloppenburg/Oldenburg - Nutze deine Chance, hat sich Tasim Aschki gesagt. Er kam 2008 mit 17 Jahren aus dem Irak nach Cloppenburg, machte eine Ausbildung, studierte Bauingenieurwesen und steht jetzt kurz davor ein Bauunternehmen zu übernehmen.

„Ich wollte schon immer Bauingenieur werden, schon als Kind. Auch wenn meine Eltern sagten, ich solle Arzt werden“, erzählt Aschki lachend. Dieses Ziel hat er mit einer Riesenportion Eigeninitiative erreicht. Eine Anlaufstelle in Deutschland hatte er: Ein Bruder und eine Schwester lebten bereits in Cloppenburg.

Bei ihnen blieb der damals 17-Jährige aber nicht lange. „Ich nehme mein Leben gern selbst in die Hand“, sagt Aschki. Nach einem Jahr zog er in eine WG und etwa acht Monate später in eine eigene Wohnung.

Selbst Deutsch gelernt

Deutsch hatte er sich da schon ziemlich gut selbst beigebracht. „Ich habe mir bei meiner Ankunft gleich ein Wörterbuch gekauft und jeden Tag zehn Worte gelernt. Meine Muttersprache habe ich zur Seite gelegt und zum Beispiel nur deutsches Fernsehen angesehen“, berichtet Aschki. „Zuerst habe ich natürlich fast nichts verstanden, aber es wurde jeden Tag besser.“ Er absolvierte ein Berufsvorbereitungsjahr, fand Freunde und schrieb als Übung immer wieder auf, was Mitschüler gesagt hatten.

Von Sprachkursen für Asylbewerber hält er nicht viel: „Die Menschen werden in ihrer Muttersprache unterrichtet. Das bringt nichts. Sie sprechen miteinander und zu Hause in ihrer Muttersprache. Um die Sprache zu lernen, wäre es besser, wenn in den Asylbewerberunterkünften verschiedene Nationalitäten gemischt würden. Dann müssen die Leute Deutsch lernen, wenn sie sich unterhalten wollen. Die Politiker sollten den vielen Menschen, die nach Deutschland kommen, sagen, dass sie auch selbst etwas beitragen müssen. Dass sie die Sprache lernen müssen. Dass sie sich eine Arbeit suchen müssen. Nur dann klappt es mit der Integration. Nur dann finden die Menschen das bessere Leben, das sie sich wünschen.“

Anderen Mut machen

Tasim Aschki hat nach dem Berufsvorbereitungsjahr sieben Bewerbungen geschrieben. Ein deutscher Freund hat ihn dabei unterstützt. Aschki bekam fünf Zusagen. Er absolvierte die Ausbildung zum Maurer, arbeitete zwei Jahre in dem Beruf, machte das Fachabitur und studierte Bauingenieurwesen an der Jade Hochschule in Oldenburg.

Das klingt so einfach . . . „Es war nicht ohne, hat haufenweise Energie und Ehrgeiz gekostet. Aber ich wollte es unbedingt und habe die Herausforderung gern angenommen“, sagt der 30-Jährige. „Ich habe in Deutschland diese Chance bekommen, von der viele nur träumen können. Ich möchte dem Land auch etwas zurückgeben und anderen Mut machen.“

Mit dem Masterabschluss in der Tasche ist sein nächstes Ziel ein eigenes Bauunternehmen. Derzeit werden die Feinheiten geklärt. „Ich bin sehr guter Dinge, dass es mit der Übernahme klappt. Das Konzept des Unternehmens und meines passen gut zusammen. Ich kenne die Risiken und habe mir alles gut überlegt. Ich werde mit Herz und Seele dabei sein.“

Pünktlich und ehrlich

In seinem Betrieb will er ausbilden und alle Mitarbeiter weiterbilden lassen, sie mit den nötigen Vorschriften vertraut machen, etwa wenn sie aus anderen Ländern kommen. Außerdem hat er in Deutschland drei Dinge gelernt, die in seiner Firma ganz oben stehen werden: pünktlich sein, ehrlich mit den Kunden sein und ein Rat seines ehemaligen Chefs: Wenn du keinen Ärger haben möchtest, baue so, als ob es für dich wäre.

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