Donauwörth
– Nach heutigen Maßstäben könnte Käthe Kruse (1883–1968) wohl als Powerfrau gelten: Die Tochter einer Schneiderin aus Breslau war erfolgreiche Unternehmerin, siebenfache Mutter und als Puppenschöpferin eine der bedeutendsten des letzten Jahrhunderts. Vor 100 Jahren bastelte sie ihre erste Puppe. Wenige Jahre später veränderte sie mit ihren Kreationen die Spielzeugwelt. Den damals verbreiteten kalten Porzellanpuppen setzte sie Gefühle entgegen: „Eine Puppe muss etwas zum Liebhaben sein.“ Heute sind die klassischen Käthe-Kruse-Puppen aus der Manufaktur im schwäbischen Donauwörth vor allem bei Sammlern beliebt.Auf die Idee, Puppen zu entwerfen, brachte sie ihr späterer Ehemann, der Berliner Bildhauer Max Kruse. Er weigerte sich 1905, seiner ältesten Tochter zu Weihnachten eine herkömmliche, steife Puppe mitzubringen. Warm, weich und ausdrucksvoll – in diesem Stil kreierte Käthe Kruse ihre Puppen. Das war neu. „Der Ausdruck ist ganz besonders intensiv, gerade weil sie so neutral und reduziert sind“, sagt Andrea Kathrin Christenson, heutige Geschäftsführerin und Mitinhaberin des Unternehmens. „Der Erfolg der Puppe ist ihre naive Liebenswürdigkeit. “ Sammler sprechen vom „krusischen Charme“.
Rund 60 Mitarbeiter fertigen heute in Donauwörth auch heute noch von Hand. Bis zu 28 Arbeitsstunden sind notwendig, um den Stoffkörper mit Reh- und Rentierhaar zu füllen, das Gesicht zu malen und die Echthaar-Perücke zu knüpfen. Eine solche Puppe kostet zwischen 200 und 1100 Euro. Die Kunden kommen vor allem aus Deutschland, USA und Japan.
Zum 100. Geburtstag der „Käthe-Kruse-Puppe“ bringt das Unternehmen eine neue Spielpuppe auf den Markt und gibt eine Sonderedition heraus. Am Muttertag, dem 8. Mai, öffnet die Puppenmanufaktur (Alte Augsburger Straße 9) von 12 bis 17 Uhr ihre Türen für Besucher.
