FRIEDRICHSHAFEN/MüNSTER - Schuhsohlen aus alten Reifen, atmungsaktive Jacken aus Plastikflaschen und T-Shirts aus Stoffresten: Bei den Modeherstellern taucht derzeit immer häufiger der Begriff Recycling auf. Vor allem in der Sport- und Outdoor-Mode werben die Anbieter damit, dass Kleidung, Schuhe oder Zubehör ausschließlich oder zum Teil aus wiederverwertetem Material bestehen.
Nachhaltigkeit und Umweltschutz waren die zentralen Themen auf der Fachmesse „Outdoor“ in Friedrichshafen. „Da gibt es mittlerweile nichts, was nicht recycelt ist“, sagt Ralf-Stefan Beppler, Outdoor-Fachjournalist aus Schwabmünchen und Trendexperte der Messe.
Die Chemiefaser-Hersteller und -verarbeiter müssten jetzt aktiv werden, so erklärt es Kristin Große-Bölting, Leiterin der Forschungsstelle für allgemeine und textile Marktwirtschaft an der Universität Münster. „Es ist eine Weiterführung des Themas Nachhaltigkeit“, sagt Jana Kern von der in Frankfurt erscheinenden Fachzeitschrift „Textilwirtschaft“.
Nach Kollektionen aus Bio-Baumwolle und dem Bemühen um saubere, ethische Produktionsbedingungen laute die nächste Frage: „Was ist mit den Chemiefasern?“ Das versuchen die Hersteller nun zu beantworten. PET-Flaschen liefern dabei den Grundstoff für dünne Synthetikfasern, die zu Garnen versponnen werden, erläutert Kern.
Laut Beppler sind es vor allem kleine Firmen, die ihre Produktion auf Recycling umstellen. Als tonangebend schätzt er das Unternehmen Patagonia aus den USA: „Die haben in ihren Jacken eine recycelte Polyester-Membran, die auch selbst wieder recyclingfähig ist.“
Nur recycelt oder auch selbst recyclingfähig – das ist laut Beppler ein wichtiger Punkt: „Ist es ein Feigenblatt oder wirklich ernst?“ Der Kreislauf sei nicht geschlossen – und es würden in manchen Fällen nur einzelne Teile aus wiederverwertetem Material hergestellt.
