GöPPINGEN - Wohlverpackt ist netter als unverpackt. Offene Hemden über nacktem Bauch stehen nur wenigen Männern.
Von Hilke Segbers
Die Frage nach der richtigen Bekleidung auf Reisen in warmen Ländern lässt sich in einem Satz beantworten: Man sollte sich so wenig ausziehen wie möglich. Aber die meisten Urlauber machen das Gegenteil: Sobald die Sonne scheint, fallen die Hüllen.
Das kann in vielen Ländern aus religiösen Gründen ein Problem sein, ganz sicher ist es oft ein optisches – offene Hemden über bloßem Bauch etwa stehen wenigen. „Wohlverpackt ist netter als unverpackt“, rät daher die Etikette-Expertin Susanne Kind-Friz aus Göppingen.
Wenn es heiß wird, rutscht bei vielen Touristen der Hosen- oder Rocksaum nach oben. Krampfadern oder Operationsnarben werden dann bloßgelegt. „Wer kurze Sachen tragen möchte, sollte vorher einen selbstkritischen Blick in den Spiegel werfen“, rät Kind-Friz. „Im Zweifelsfall sollte lieber lange Kleidung gewählt werden, etwa aus Leinen oder leichter Baumwolle.“
Für den Innenstadtbummel oder das Restaurant seien bedeckte Gliedmaße ohnehin die korrekte Wahl.
„Shorts sind nur gut am Strand“, sagt auch die Stylistin Maria Hans aus Hamburg. Sie stört sich aber auch am beliebten bauchfreien Top: „Das geht gar nicht mehr.“ Beide Expertinnen verweisen darauf, dass Reisende sich genau über die Regeln im Urlaubsland informieren sollten.
So geht in den USA „oben ohne“ am Strand fast nirgendwo. Auch in islamischen Ländern sollte sich niemand zu sehr entblößen. „Dort herrscht eine andere Reizkultur, und die Menschen reagieren schneller“, warnt Kind-Friz.
Mit Bedacht sollten auch die bei Hitze beliebten Trägerhemdchen gewählt werden. Der Oberarm sollte dafür fest sein, der Busen nicht zu groß. Wer einen BH tragen möchte, sollte den Träger nicht sehen lassen. „Ob Spaghettiträger-Tops gehen, ist übrigens keine Frage des Alters“, sagt Lis Droste aus Frankfurt/Main, Präsidentin der Etikette Trainer International (ETI). Auch eine schlanke 50-Jährige könne im Spaghettiträger-Kleid noch sehr hübsch aussehen.
Beim Thema Dekolleté ist Zurückhaltung angesagt. Doch viele Frauen handeln eher nach dem Motto „Ich zeig jetzt mal alles, was ich zu bieten habe“. „Die Voraussetzung für einen tiefen Ausschnitt ist ein junges oder schönes Dekolleté“, sagt Lis Droste. Wenn ein Dekolleté schlaff und knittrig ist, sollte die Bluse ein wenig höher zugeknöpft werden.
Kopfbedeckungen sind für Reisende oft ein unerwartet holpriges Terrain. Das Baseball-Käppi verkehrt herum getragen ist sehr beliebt, aber es sieht leicht deppert aus. Panama-Hüte stehen Männern und Frauen gleichermaßen gut.
