KöLN - Männer brauchen nur eine Geste, um eine perfekte Frauenfigur zu beschreiben: Oben ist sie kurvig, in der Mitte schmal und unten wieder rundlich. So auszusehen ist für Frau keine Kunst, sondern eine Frage des richtigen Kleides, sagen Designer und Modeexperten. Denn egal ob die Figur dünn oder dick ist, der Petticoat zaubert daraus eine Sanduhr-Silhouette: Sein ausladender Tellerrock formt ein kaschierendes Rund über dem Po und den Oberschenkeln, der enge Schnitt am Oberkörper schafft optisch eine Wespentaille.

Diese Mogelpackung will Frau haben – und bekommt sie derzeit in vielen Kollektionen. Das Petticoat-Kleid ist wieder angesagt. Nach den ersten Sommerkleidern soll der Look der 1950er und 1960er Jahre vor allem im Herbst die Straßen erobern, erklärt etwa das Deutsche Mode-Institut (DMI) in Köln.

„Lange ist die Taille ignoriert und alles hüftig getragen worden“, sagt die Designerin Elke Dürer aus Düsseldorf. „Gerade wird die Taille wieder betont, und die Röcke wachsen nach unten.“ Das kommt nicht plötzlich: Der Trenchcoat, ein Mantel mit Taillengürtel und darunter breiter werdendem Rock, hat zunächst Modebewusste an die Betonung der Taille gewöhnt. Teilweise erinnern die Mäntel an glockenförmige Petticoat-Kleider. Danach kamen Hosen und kurze, enge Röcke auf den Markt, deren Bund wieder hoch sitzt. Und jetzt ist der Petticoat mit seiner Wespentaille da.

1947 zeigte Christian Dior erstmals in seiner berühmt gewordenen Kollektion „New Look“ ein Petticoat-Kleid. Er wollte nach den Jahren der Entbehrungen während des Zweiten Weltkriegs die Weiblichkeit wiederentdecken, sagt Stilberater Andreas Rose aus Frankfurt. Sinnbild, Gesicht und Körper dieser neuen Weiblichkeit waren Filmdiven wie etwa Sophia Loren und Grace Kelly.

Nach ausladenden Kleidern, die wie in alten Rock’n’Roll-Filmen durch keine Tür zu passen scheinen, sucht man im Einzelhandel vergebens. „Die Petticoats müssen heute alltagstauglich sein“, sagt Dürer, Mitglied im Verband deutscher Mode- und Textildesigner. Sie dürften weder zu steif noch zu bauschig sein.

Für Aufsehen sorgt der Petticoat derzeit aber nicht nur wegen seiner für die heutige Zeit wieder neuen Optik: Er ist auch ein Figurwunder. „Figurprobleme gibt es mit einem Petticoat kaum, denn ein Zuviel an Bauch, Po und Oberschenkeln wird versteckt und kaschiert“, erläutert Stilberater Rose. Umgekehrt werde dort, wo nur wenig Kurven sind, mehr geformt.