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Lebenswerk Koormann findet immer Wege


Wilhelm Koormann hat im Ruhestand noch viel vor: Neben Aktivreisen in Deutschland sind die bevorzugten internationalen Reiseziele schon markiert.
Hasetal Touristik

Wilhelm Koormann hat im Ruhestand noch viel vor: Neben Aktivreisen in Deutschland sind die bevorzugten internationalen Reiseziele schon markiert.

Hasetal Touristik

Löningen - „Radeln auf Rezept“ entwickelt, den „Deutschen Tourismuspreis“ für das Mundraub-Projekt im Hasetal geholt und den Fahrradtourismus dort zur Erfolgsgeschichte gemacht – das hat Wilhelm Koormann.

Vor 30 Jahren hat der heute 65-Jährige beim Zweckverband Erholungsgebiet Hasetal angefangen – als One-Man-Show. Heute zähle die Hasetal Touristik GmbH inklusive aller Saisonkräfte etwa 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sagt Geschäftsführer Koormann.

Nach dem Schulabschluss war er zur Bundesbahn gegangen: „Weil man dort vom ersten Tag an Freifahrtscheine für ganz Europa bekommen hat. Das habe ich viel genutzt. Dafür habe ich sogar die Uniform in Kauf genommen und meine langen Haare abgeschnitten.“

Radweg selbst gesucht

20 Jahre hat er „durchgehalten“. Zuletzt als Reisekaufmann in der Tourismusabteilung. Bis er zufällig den Stadtdirektor von Meppen kennenlernte, der meinte: „Jemand wie Sie können wir für den Zweckverband Erholungsgebiet Hasetal brauchen.“ „Bei der Bahn bröckelte es damals schon und so habe ich das Angebot angenommen und meinen Beamtenjob als Oberinspektor aufgegeben“, erinnert sich Koormann. „Da der Zweckverband eine Körperschaft öffentlichen Rechts ist, bekam ich eine Job- und Rentengarantie. Sonst wäre es nicht gegangen. Ich bin ja verheiratet und wir haben drei Kinder.“

Ein Risiko sei es trotzdem gewesen. Schließlich habe keiner gewusst, ob das gut geht. Denn als er 1992 in Löningen anfing gab es nicht einmal einen durchgehenden Radweg von Osnabrück nach Meppen. „Den habe ich selbst gesucht. Bin mit einer Karte losgeradelt und habe wenig befahrene Wege gesucht, die möglichst nah an der Hase verlaufen“, erzählt der Touristiker. Es folgte die erste Fahrradkarte, die Beschilderung, Pauschalangebote für Mehrtagesreisen, Kooperationen mit großen Reiseveranstaltern, Paddelangebote, Fahrten mit dem historischen Dampfzug, die Draisinenstrecke sowie ein eigener Fahrradverleih. 2004 wurde die Hasetal Touristik GmbH gegründet.

Einladung zum Mundraub

Wie war das denn mit dem „Tourismus-Oscar“, der 2014 ins Hasetal ging? „Die Firma Berentzen aus Haselünne ist ja mit Apfelkorn groß geworden und der Inhaber spendete damals 7000 junge Obstbäume, die wir auch als Wegmarkierung am Radweg pflanzten“, so Koormann. „15 Jahre später haben die Bäume Früchte getragen und wir laden seitdem zum Mundraub ein. Damit das einfacher ist, haben wir rote Bänke mit einer extra-hohen, leiterartigen Rückenlehne darunter gestellt. Gastwirte und andere Leute aus der Region pflegen die Bäume, kochen etwa Marmelade aus den Früchten und servieren diese unseren sechs- bis siebentausend Radtouristen pro Jahr.“

Koorrmanns jüngster Coup ist Radurlaub „auf Rezept“: fünftägige Radtouren mit Präventionsangeboten, bei denen die Krankenkassen einen Teil der Kosten übernehmen. Darauf gebracht haben ihn zwei Mitarbeiterinnen, die von einem verlängerten Wellness-Wochenende im 5-Sterne-Hotel für 200 Euro geschwärmt hatten. Dieses war so günstig, weil zwei Präventionskurse angeboten wurden und sich die Krankenkassen deshalb beteiligten.

Präventionssport

Radfahren ist doch auch Prävention, dachte sich Koormann und brachte in Erfahrung, dass ein Sportwissenschaftler ein entsprechendes Konzept einreichen muss. Das Radfahr-Konzept wurde jedoch mehrfach abgelehnt. Koormann klagte, ohne Erfolg. „Begründet wurde die Ablehnung damit, dass Präventionssportarten niederschwellig sein müssten, sodass man sie nach der Maßnahme weiterbetreiben kann“, berichtet Koormann. „Aber 87 Prozent der Niedersachsen haben mindestens ein Fahrrad. Und wieso sind Spinning und Aqua-Gymnastik Präventionssport?“

Ausbremsen ließ sich der Tourismus-Experte davon nicht, sondern gliederte als Erster anerkannte Präventionsmaßnahmen, wie Ernährungsberatung und Yoga, in seine Radtour-Angebote ein. Mittlerweile bietet Hasetal-Touristik Radurlaub „auf Rezept“ neben den Routen rund um die Hase, auch in Ostfriesland, im Münsterland und im Ammerland an – in Zusammenarbeit mit den örtlichen Tourismusverbänden, denn „nur die kennen die hidden Highlights“.

Die Außenstandorte würde Koormann auch nach seinem Ausscheiden als Geschäftsführer Ende des Jahres gern weiterbetreuen. Außerdem freut er sich darauf, selbst mehr Zeit zum Reisen zu haben.

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