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NWZonline.de Nachrichten Panorama Lifestyle & Mode

Gesellschaft: Für Priorin das „Paradies Lüne“

26.09.2020

Lüneburg Das Tor zum Garten steht weit offen, aber die schwere Tür ins Innere des Klosters muss die Priorin erst mit ihrem Schlüssel öffnen. Gleich links hinter dem Eingang plätschert ein Brunnen. „Er läuft seit über 650 Jahren“, sagt Charlotte Pattenden. Als Priorin ist sie Stellvertreterin der Äbtissin. Mit Stolz und Begeisterung führt sie die Besucher durch das uralte Gemäuer mit viel rotem Backstein und Fachwerk, durch Kreuzgang, Klosterkirche und den Friedhof im Innenhof.

Freiberufliche Arbeit

Ausfallstraße und Bahngleise da draußen scheinen unendlich weit weg, üppige Rosensträucher wachsen auf den Gräbern. „Als Konventualin hat man ein Recht, hier beerdigt zu werden“, sagt Pattenden. Hellwache Augen, Klarheit in der Sprache. Pattenden ist Jahrgang 1956, geschieden, hat drei Söhne und eine Tochter. Vor sieben Jahren ist sie ins Kloster Lüne gezogen. Sie lebte in Wales, hat Geschichte und Germanistik auf Lehramt studiert. Pattenden hat ein Smartphone dabei und ist auch per WhatsApp zu erreichen, sie arbeitet freiberuflich als Übersetzerin. „Ich muss ja noch meinen Lebensunterhalt verdienen“, sagt sie.

Lüne ist ein evangelisches Kloster, hier leben Konventualinnen, keine Nonnen, die ein Gelübde abgelegt hätten. Man muss sich bei der Äbtissin bewerben, dann folgen mehrere Vorstellungsgespräche und eine Probezeit. Es gibt kein Mindestalter, aber man sollte möglichst unter 65 sein. „Es ist für evangelische und rechtlich alleinstehende Frauen, die einen aktiven Lebensabend suchen“, sagt Pattenden. Einst lebten hier bis zu 80 Nonnen. Heute sind es zehn Konventualinnen, mehr als die Hälfte Mütter. Pattenden spricht vom „Paradies Lüne“.

Seit Mitte des 14. Jahrhunderts lebte der Konvent nach den Regeln des heiligen Benedikt, dann kam die Reformation. „Im Mittelalter waren Klöster ein Ort der Frauenbildung“, erklärt Pattenden. Bis ins 20. Jahrhundert blieb das Kloster Lüne eine standesgemäße Einrichtung für unverheiratete Adelstöchter.

Glockengeläut von Hand

„Das ist das sakrale Herz“, sagt Pattenden auf der abgetrennten Empore der großen, hellen Klosterkirche. Vier Seile hängen dort im sogenannten Nonnenchor von der Decke, geläutet wird von den Konventualinnen dreimal täglich per Hand. „Das geübte Ohr erkennt schnell, wer geläutet hat“, sagt die Priorin. Sonntags gehen sie mit Spitzenhäubchen und schwarzem Chormantel zum Gottesdienst.

Auch sonst gibt es viele Kontakte nach draußen. Klöster sollen heute sozial, kirchlich, pädagogisch und kulturell aktiv sein. Im Kapitelsaal werden Konzerte und Vorlesungen veranstaltet, einer der beiden Refektorien genannten Speisesäle wird für Hochzeiten und als Tagungsort genutzt. Auch Filme wurden hier schon gedreht. Es gibt ein Museum für sakrale Textilkunst mit Weberei, ein Café.

„Wir sind Teil einer wunderbaren Gemeinde auch mit Jugendarbeit“, ergänzt Äbtissin Reinhild Freifrau von der Goltz kurz darauf im großen Garten. Sie ist verantwortlich für das Kloster und seinen Haushalt, ist Geschäftsführerin und Arbeitgeberin, vertritt es nach außen. Auch sie kennt sich jenseits der Klostermauern ganz genau aus, hat Handy und Laptop.

„Ich habe zwei ganz unterschiedliche Leben“, sagt die Äbtissin. Mit ihrem Mann hatte sie eine Landwirtschaft, hat vier Kinder und elf Enkel. Es sei im Kloster zunächst ungewohnt gewesen, selbst im Fokus zu stehen, sagt sie, und nicht in zweiter Reihe als Ehefrau auf dem Land.

Sinnstiftung

Warum Kloster heute? „Das Geistliche rückt wieder in den Vordergrund“, sagt die Äbtissin. Neben Glauben und Sinnstiftung sind auch uralte Traditionen und lebendige Gemeinschaft wichtig. „Sie treten aus der Wohnung und sind nicht allein. Man ist noch Konventualin und nicht nur die Geschiedene oder Verwitwete“, sagt von der Goltz. „Es ist kein Altersheim. Es ist ein Privileg, im Alter eine Aufgabe zu haben.“


Aktuelle Öffnungszeiten unter   www.kloster-luene.de 
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