An die von dem Cartoonisten Charles Addams (1912–1988) ersonnene Schöne mit allerlei skurrilen Gewohnheiten erinnerten die Models mit bis zur Taille reichenden Haaren, blassen Gesichtern und Fledermaus- Gewändern etwa in John Gallianos Schau der Herbst/Winter 2006/7-Kollektion für Dior. Als „Gothic Chic“ hatte der Stardesigner diese betitelt und verpasste seinen Models dabei durch große Sonnenbrillen und Bandanas (Piratentücher) in den Haaren noch etwas Rockstar-Allüre. Gewaltige Mäntel aus Pelzstreifen, schwarze Glitzer-Jeans, blutrote Gewänder und Ketten, an deren Ende Kreuze mit dolchartig zugespitztem Stab hingen, komplettierten den Eindruck dunkler Romantik, der schon die Dior-Couture-Schau für diesen Sommer geprägt hatte.
Andere schlugen in die gleiche Kerbe: Karl Lagerfeld verband in seiner eigenen, in New York gezeigten Kollektion schwarze Gothic-Elemente mit elegantem Lagenlook. Newcomerin Jasmine Di Milo (Tochter des Unternehmers Mohamed Al Fayed und Halbschwester des gestorbenen Dodi) hob in Paris mit ihren Entwürfen das surreale Element dieses Trends hervor. Auch bei den italienischen Marken Zucca sowie Costume National spielt düstere Melancholie eine große Rolle.
Als Feen der Finsternis kleidete Jean Paul Gaultier seine Mannequins. Spinnwebartige Vorhänge, lebende Eulen sowie fedrig-feine Gewänder gehörten zur Inszenierung dieser subtil gearbeiteten Kollektion. Und irgendwie dachte man an Bücher wie „Frankenstein“, an Dracula und Transsilvanien. Aber auch ein bisschen ans Mittelalter und die echte Gotik, der wiederum Miuccia Prada in Mailand in einer wegweisenden Kollektion voll Klarheit huldigte.
