Schlichte, doch atemberaubend geschnittene Tageskleider sowie prachtvolle Abendroben waren Balenciagas Markenzeichen. Er brachte die Matrosenbluse in Mode, lancierte Cape-Boleros sowie Tunika-Kleider und schuf durch Stehkragen, abgerundete Kanten und hoch geschwungene ovale Formen den Inbegriff vornehmer Eleganz. Gerade diese Ei-Form ist jetzt wieder „en vogue“.

Nicolas Ghesquière nutzte sie in allerlei Varianten für die Mode im Herbst/Winter 2006/07, ob bei kurzen zweireihigen Mänteln in strahlendem Weiß, Röcken mit steif abstehenden Volants oder schmalen Kleidern aus geprägter Seide. Ghesquière ist seit 1998 Chefdesigner des Hauses Balenciaga und gilt inzwischen als unangefochtener Trendsetter der Mode-Elite. So deutlich wie in dieser Saison hat er den Altmeister noch nicht zitiert. Modernität bringen schmale Hosen, superkurze Röcke und Plateausohlen.

Albert Kriemler, Designer und Chef des Schweizer Labels Akris, ist ebenfalls ein Schnittkünstler, und die leicht elliptische Form seiner kostbaren pelzverbrämten Mäntel und kühnen Stehkragen-Jacken ergibt mit schmalen Hosen oder Röcken eine bestechende neue Silhouette.

Elliptische Rundungen sah man auch bei Chloé, Hussein Chalayan oder Saint Laurent. Und bei fast allen Balenciaga-Verehrern kommt noch ein Schuss Courrèges und 60er-Jahre-Futurismus hinzu.

Balenciagas Schüler André Courrèges übersetzte seinerzeit dessen Geometrie in lineare Formen, fügte ihr viel Sexyness, grafische Muster, flache Stiefel und nicht zuletzt den Minirock hinzu.

Passend zur neuen Balenciaga-Begeisterung zeigt das Pariser Modemuseum noch bis Ende Januar 2007 eine große dem Designer gewidmete Ausstellung mit 160 Exponaten.

Ihre fantastische Verarbeitung macht klar, warum ein Stardesigner wie Christian Dior den Spanier als „unser aller Meister“ bezeichnet hat.

Eine andere Schau in Paris hat schon im vergangenen Frühjahr die Verbindung Balenciagas zu einer Stil-Ikone seiner Zeit beleuchtet. Sie zeigte zahlreiche Kleider, die der „Architekt der Mode“ für die elegante Gesellschaftsdame Mona von Bismarck kreiert hat.