Das Zukunftsinstitut in Kelkheim (Hessen) prognostizierte schon vor einigen Jahren den klaren Trend zum „Homing“ beziehungsweise zur neuen Heimeligkeit. „Um das Wohnen und um unser Zuhause ist ein neuer Markt entstanden, der sich in den nächsten Jahren zu einem Zukunftsmarkt entwickeln wird“, sagt Trendforscher Eike Wenzel. Und da passen eben nicht nur Werbeslogans wie ,Wohnst Du noch oder lebst du schon?’, sondern alle Artikel mit Wohlfühlfaktor.
Das Sinnbild der Heimeligkeit – der Hausschuh – darf dabei nicht fehlen. So entwickelt sich um die Pantoffeln gerade ein Kult. „Immer mehr junge Firmen haben inzwischen eine eigene Hausschuh-Kollektion“, sagt Ilona Sauerbier vom Branchenblatt „Schuhmarkt News“ in Wiesbaden. Als Beispiel nennt sie Modemarken wie Marc O’ Polo, S.Oliver, Esprit und Tom Taylor. Deren Puschen besitzen laut Ilona Sauerbier „peppige Designs, sind funktional und haben dieses Altbackene Spießige nicht mehr.“ Schließlich sind Birkenstock-Sandalen und ähnliche Modelle nicht jedermanns Sache.
Das hat auch die Industriedesignerin Meike Böhme aus Berlin vor einigen Jahren erkannt. Für eine Studienarbeit entwarf sie Puschen und ließ sie bei der Berliner Traditionsmanufaktur Pantoffeleck Jünemann fertigen. „Die machen ursprünglich diese typischen Karo-Pantoffeln, die in den neuen Bundesländern früher wohl alle getragen haben“, erklärt die Designerin.
Ihre eigenen Modelle heißen cocoon, plie, bloom oder fleur, sind mit Blumen bestickt oder haben rosafarbene Seidenbänder, die sich wie bei Ballettschuhen um den Knöchel binden lassen. Ihr Label hat Meike Böhme „puschn“ genannt. Doch trotz aller Modernität setzt die Berlinerin auf altes Handwerk: „Wir arbeiten mit drei ostdeutschen Manufakturen zusammen.“ Alle Modelle werden also in Deutschland und komplett von Hand gefertigt. Zwischen 40 und 50 Euro kostet ein Paar. Dafür lässt Böhme ausschließlich reinen und hochwertigen Wollfilz verarbeiten, nur die Sohle ist mit Latex beschichtet.
Doch nicht jeder greift gleich zum Urtyp der Pantoffeln: „Gerade jüngere Leute wählen so eine Art Hüttenschuhe, dicke Socken oder benoppte Strümpfe“, hat der Frankfurter Modeberater Andreas Rose beobachtet. Dabei gebe es edelste Modelle aus Samt oder Kaschmir.
„Zum einen ist es das perfekte Styling zu Hause, aber auch der Reinlichkeitswahn und schicke Wohnungen mit hellen Teppichböden, die den Pantoffeln zu dem neuen Ruhm verhelfen“, erklärt Rose.
Gleichzeitig demonstrieren sie mitunter einen noch ganz anderen Lifestyle: „Viele nehmen aus den Hotels die Puschen mit und bieten die dann ihren Übernachtungsgästen etwa zusammen mit den Handtüchern an“, hat Rose beobachtet. Bild: dpa
