Habemus papam. Und dann noch einen deutschen. Das ist eine Sensation, was da in Rom passiert ist. Das Gremium hat getagt, und alle haben gespannt auf die Rauchzeichen gestarrt. Und dann diese Wahl: „Geheimnis Konklave“ war in einer Boulevard-Zeitung zu lesen. Genau getroffen.

Was bedeutet Konklave? Heißt es das Konklave, oder die oder der? Die Frage nach dem korrekten Artikel lässt sich mit einem guten Wörterbuch schnell klären: das Konklave, sächlich. Lauter Herren bilden es zwar, aber männlich wird das Wort dadurch nicht. Weiblich ist es trotz dem weichen -E am Ende auch nicht. Die lateinische Version lautet „conclave“, neutrum, daher „das“ Konklave.

Was der Begriff bedeutet, darüber geisterten ebenso viele Lesarten durch den Mediendschungel wie zum richtigen Artikel, nämlich drei. „Mit Schlüssel“ heiße das Wort, darüber herrschte Einigkeit. Lateinisch „con“ entspricht dem deutschen „mit“, „clavis“ unserem „Schlüssel“. Mit dieser Erkenntnis ließ es sich fröhlich fantasieren.

A) der Raum, in dem die Versammlung stattfindet, sei gegen Abhörversuche gesichert, verschlossen, B) keiner könne ihn ohne Schlüssel verlassen, bevor ein Papst gewählt ist, C) hier liege der Schlüssel für die Zukunft der katholischen Kirche.

„Conclave“ ist schlicht und einfach ein verschließbarer Raum. Im übertragenen Sinn bedeutet das Wort auch „Stubenarrest“. Die Deutungen zeigen, dass es nicht immer sinnvoll ist, Wörter in ihre Einzelteile zu zerlegen und daraus ihre Bedeutung abzuleiten. Ein simples Exempel dafür ist das deutsche „Mitgift“. Gestorben wird sehr selten durch reichliche Mitgift.

Als die Kardinäle gewählt hatten, das Konklave beendet war, verkündete ihr Sprecher: „Habemus papam.“ Wir haben ihn, den neuen Papst. Latein muss sein im Vatikan. Schließlich ist das Latein Amtssprache im Staat des Vatikan. „Vatikanstadt“, so lautet die Übersetzung des Staatsnamens aus dem Italienischen. Latein ist dort nicht mehr sehr verbreitet. Die Brockhaus-Enzyklopädie vermerkt: „Latein, gesprochen in Vatikanstadt, Sprecher: Null.“

Aber Latein, die tote Sprache wird belebt. Der neue Papst hielt seine erste Predigt in der Amtssprache. Ein Sprecher ist damit sicher. Wenn die Würdenträger in Rom ihre Arbeit getan haben, könnten sie zukünftig einen Pop-Song mittelalterlicher Herkunft singen: „Gaudeamus igitur“, also lasst uns fröhlich sein. Bis zum nächsten Konklave.