[/AUTOR] - Robert Littell: „Die kalte Legende“, aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann, Scherz Verlag, Frankfurt/Main, 447 S., 19,90 Euro.

Von Reinhard tschapke

FRANKFURT/MAIN - Der Kalte Krieg ist tot, aber die Welt der Agenten lebt weiter. Martin Odum ist einer von ihnen. Oder vielmehr nicht, denn der humpelnde Mann hat viele Identitäten und Namen. Im Spionage-Jargon: Legenden. Verwirrt von diesen Wechselspielen durchreist der Spion auf der Suche nach seinem Ich in Littells Thriller „Die kalte Legende“ von Russland über den Nahen Osten und Nordamerika rüstig alle aktuellen Konflikte, trifft auch auf Osama bin Laden, den Mossad oder russische Oligarchen.

Das klingt nach Schießereien und Sauseschritt, ist indes ruhig und im Spannungsaufbau ansprechend bei der Lektüre zu genießen – ein prächtiges und packendes Buch. Littell ist im Moment besser als zuletzt der Brite John le Carré. Littell ist direkter und uneitler im Erzählen. Er will sich nicht als Intellektueller beweisen. Er möchte einfach eine gute Geschichte erzählen – und das macht er dann auch. Wer Krimis mag, wird „Die kalte Legende“ lieben.