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NWZonline.de Nachrichten Kultur Literatur

Autor Marcel Beyer erhält Büchner-Preis

07.11.2016
NWZonline.de NWZonline 2016-11-09T09:28:56Z 280 158

Auszeichnung In Darmstadt:
Autor Marcel Beyer erhält Büchner-Preis

Darmstadt Der Schriftsteller Marcel Beyer hat am Samstag in Darmstadt den Georg-Büchner-Preis 2016 erhalten. „Seine Texte sind kühn und zart, erkenntnisreich und unbestechlich“, begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihre Wahl. Beyer beherrsche „das epische Panorama ebenso wie die lyrische Mikroskopie und den zeitdiagnostischen Essay“. Der mit 50.000 Euro dotierte Büchner-Preis gilt als herausragende literarische Auszeichnung in Deutschland.

Zusammen mit der Auszeichnung Beyers erhielt der Ägyptologe und Kulturwissenschaftler Jan Assmann den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 2016. Assmann habe „mit weitgespannter Gelehrsamkeit und begrifflichem Scharfsinn die geistigen Überlieferungen Europas neu lesbar gemacht“, lobte die Jury. Die Sachbuchautorin und Bloggerin Kathrin Passig wurde mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2016 geehrt. „Passig begreift die digitale Kultur als eine geistige Lebensform und stellt traditionelle Selbstverständlichkeiten provokativ und produktiv infrage“, befand die Jury. Beide Preise sind mit je 20.000 Euro dotiert.

Marcel Beyer zeichnete in seiner Dankrede die Sprachfindungskunst Georg Büchners nach. „Über das selbstbesoffene Eierlikördeutsch seiner Zeitgenossen - süßlich, klebrig, sittenrein - kann er nicht einmal mehr lachen, das „ästhetische Geschlapp“ steht ihm „bis zum Hals““, sagte der Preisträger laut vorab veröffentlichtem Redemanuskript. Büchner habe beschlossen, die deutschsprachige Literatur um „Ferkeldramen“ zu bereichern, mit Verschlucktem und Wortfindungen, in denen mehrere Sprachen zusammenschießen.

Gehe man Büchners Drastik nach, folge man ihm auf die „Rückseite der Sprache, auf die Rückseite der Welt“. Er, Beyer, brauche das alles, „Kalbsdeutsch und Erbsenfresserdeutsch“, „das Leoprintdeusch der Krawallfernsehfamilien, patzergesprenkeltes Dünkeldeutsch“. Der Preisträger schloss: „Vor der Sprache rettet mich - die Sprache. Woyzeck rettet mich. Büchner beruhigt mich.“

Die Berliner Wissenschaftshistorikerin Anke te Heesen sagte in ihrer Laudatio: „Beyer tut nicht so, als sei er Zeuge, sondern er vermittelt eine Gegenwärtigkeit, die mich anspricht.“ Der Schriftsteller deute, ohne belehrend zu sein. „Beyer geht es darum, dass das Bekannte uns fremd wird, und wir gerade deshalb der alten gefügigen, liebgewordenen Erinnerung etwas Neues abgewinnen können.“ Te Heesen nannte den Preisträger laut Redemanuskript einen „Sprachweltzeitgenossen“.

Der in Tailfingen in Württemberg geborene Marcel Beyer wuchs in Kiel und Neuss und lebt seit 1996 in Dresden. Er studierte Germanistik, Anglistik und Literaturwissenschaft in Siegen. Sein erster Roman „Das Menschenfleisch“ erschien 1991, im selben Jahr auch der Gedichtband „Walkmännin“. Weitere Romane sind „Flughunde“ (1995), „Spione“ (2000) und „Kaltenburg“ (2008). Beyer veröffentlichte außerdem die Lyrikbände „Falsches Futter“ (1997) und „Erdkunde“ (2002). Erzählungen und Essays enthalten „Nonfiction“ (2003) und „Putins Briefkasten. Acht Recherchen“ (2012). Jüngst legte er den Gedichtband „Graphit“ (2014) vor. Beyer erhielt zahlreiche Preise, zuletzt 2014 den Kleist-Preis und den Oskar-Pastior-Preis.

Der Büchner-Preis ist nach dem in Darmstadt aufgewachsenen Schriftsteller, Naturwissenschaftler und Sozialrevolutionär Georg Büchner (1813-1837) benannt. Er wurde erstmals 1923 vergeben. Preisträger waren unter anderen Carl Zuckmayer (1929), Max Frisch (1958), Günter Grass (1965), Peter Handke (1973), Sarah Kirsch (1996), Wilhelm Genazino (2004) und zuletzt Rainald Goetz (2015).