BERLIN - Wenn ein Autor dem Leser noch vor der ersten Seite droht, erschossen zu werden, sollte er sein Buch missverstehen, ist das ganz witzig. Doch im Falle von Thomas Fuchs, der sich anschickt, Mark Twain mit einer Art Biografie zu würdigen, wirkt es eher bemüht. Der vorangeschickte Gag verspricht mehr, als der Autor hält. Zumal die Idee nicht von ihm stammt, sondern, wie er ehrlicherweise kenntlich macht, vom amerikanischen Schriftsteller (1835–1910) selbst. Der hatte seinen Roman „Huckleberry Finns Abenteuer“ mit einer ähnlichen Notiz versehen.

Es ist dem Humor gemeinhin abträglich, wenn das Ziel, unterhaltsam zu sein, zu sehr in den Vordergrund tritt. Und so scheitert Thomas Fuchs – Journalist, Texter, Drehbuchverfasser, Gagschreiber und „Titanic“-Autor – am eigenen Anspruch. Die leicht bekömmlich und vor allem kurz erzählte Lebensgeschichte soll als „literarische Liebeserklärung“ neugierig machen auf Mann und Werk. Dafür nutzt der Autor jede sich bietende Gelegenheit, eine Pointe zu platzieren oder eine Parallele zur Gegenwart zu ziehen.

Viel Zeit verwendet er etwa darauf, die Frage nach dem Pseudonym zu klären. Der Schriftsteller, der in seiner Heimat ein Nationalheiliger ist und schon zu Lebzeiten Weltruhm erlangte, hieß mit bürgerlichem Namen Samuel Langhorne Clemens. Die Tatsache, dass „Mark Twain“ in der Seemannssprache den Übergang vom sicheren zum unsicheren Fahrwasser markiert, habe schon viele kluge Köpfe beschäftigt, schreibt Fuchs, überlässt das Nachdenken darüber aber dann dem Leser.

Überhaupt neigt Fuchs zu Vermutungen und Spekulationen, wie etwa an der Stelle, an der er vom Galadinner des deutschen Kaisers erzählt, an dem Twain 1892 teilnehmen durfte: „Wilhelm II. hatte mit Bismarck gerade seinen politischen Lotsen entlassen, da schien der Small Talk mit dem ehemaligen Mississippi-Lotsen eine angenehme Abwechslung zu bieten.“ Als Witz von eher durchschnittlichem Niveau ist der Satz als biografische Notiz von gar keinem Wert.

Aber eine richtige Biografie sollte es ja auch gar nicht sein. Wer tatsächlich von Fuchs neugierig gemacht wurde, sollte sich bis Oktober gedulden: Dann erscheint im Aufbau Verlag die „geheime Autobiografie“ Mark Twains – auf fast 800 Seiten.