Warum hat ein Fräulein eigentlich kein Geschlecht? Ein Kürbis aber sehr wohl? Das sind Fragen, die sich angesichts des aus lauter Ausnahmen bestehenden Regelwerks der deutschen Sprache dem großen Satiriker Mark Twain stellten, als er 1878 eine Deutschlandreise unternahm. Wagneropern, Studentenverbindungen, Rheinwein („Von Essig unterscheidet man ihn mit Hilfe des Etiketts“) und weitere Absonderlichkeiten deutschen Wesens unterzog Twain seinen umwerfend komischen Betrachtungen, die es jetzt in einer Ausgabe gibt, die der Zeichner Hans Traxler kongenial illustriert hat. (Mark Twain: „Bummel durch Deutschland“, Serie Piper 4767, 9 Euro)

Auch in Horst Evers’ Glossen und Kurzgeschichten „Gefühltes Wissen“ geht es um deutsche Alltagsphänomene wie Fahrtenschreiber, tote Briefkästen, die IKEA-Revolution, die notorische Freundlichkeit der Düsseldorfer und Herbert von Karajans Beifallshervorlocktechnik. Es sind Lageberichte aus dem ziemlich wirklichen Leben, Welterklärungsversuche vom Küchentisch – und sie sind sehr, sehr lustig. (Horst Evers: „Gefühltes Wissen“, rororo 24294, 7,90 Euro)

„Was-wäre-wenn-Romane“ gibt es viele, kaum aber einen so komischen wie „Geschichte machen“ des englischen Schriftstellers und Schauspielers Stephen Fry. Ein junger Cambridge-Professor kommt auf die schöne Idee, der Welt im Nachhinein den Holocaust zu ersparen und per Zeitreise die Geburt Hitlers zu verhindern. Die Sache klappt, geht dennoch schief und beschert uns eine aberwitzige Utopie. (Stephen Fry: „Geschichte machen“, Aufbau TB 2333, 9,95 Euro)

Aberwitzig ist auch die Geschichte von den fünf Finnen, die im Auftrag der Unesco Venedig vorm Versinken retten sollen, dabei jedoch selber in der seltsamen Lebensart der Venezianer versinken. Zwischen Alkohol, Amore, Korruption und anderen Naturgewalten fällt es der wissenschaftlichen Delegation zunehmend schwerer, den Durchblick zu erhalten. Schöner können Finnen nicht spinnen! (Hannu Raittila: „Canal Grande“, Btb 73183, 9 Euro)

Klassiker der komischen Literatur sind P. G. Wodehouses Romane um den Butler Jeeves und seinen Chef, einem Londoner Snob, Müßiggänger und Fettnäpfchentreter, der ohne Jeeves verloren wäre. Die Handlungen dieser Romane sind wunderbar verworren und weitgehend nebensächlich, aber Pointen und Situationskomik sitzen perfekt wie ein maßgeschneiderter, britischer Tweedanzug. (P. G. Wodehouse: „Ohne mich, Jeeves!“, suhrkamp tb 3838, 8,90 Euro/P. G. Wodehouse: „SOS, Jeeves!“, suhrkamp tb 3839, 7,90 Euro)