• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Nachrichten Kultur Literatur

Fiktiver Koffer voller Briefe

28.02.2013

Asperg /Bremen Als dieser ausgemergelte, stinkende Mann im Juni 1945 vor der Tür stand, hätte Eva sie ihm fast vor der Nase zugeschlagen. Nichts erinnerte sie an den Mann, den sie geliebt und geheiratet hatte. Und er blieb ein Fremder: Auch als er sich körperlich von den erlittenen Qualen an der Front erholte, änderte das nichts an seiner Verrohung durch die Erlebnisse im Krieg und seinen Gewaltausbrüchen.

„Heimgekehrt“ heißt der Briefroman des Bremer Autors Frank Salewski, der dieses tabuisierte Martyrium vieler Frauen in der deutschen Nachkriegsgeschichte überaus spannend und lesenswert thematisiert. Der Untertitel, den er ihm gegeben hat, lässt keinen Zweifel daran, dass die Heimkehr keine glückliche ist: „Wäre er doch gefallen“.

Jugendtraum erfüllt

Im Vorwort gibt der 46-Jährige an, nach dem Tod seiner Oma einen Koffer mit Briefen und Tagebuchnotizen gefunden zu haben, die er auf Drängen seiner Frau zu einem Buch verarbeitet habe. Was die Rolle seiner Frau betrifft, ist diese Bemerkung authentisch – tatsächlich hatte sie ihn aufgefordert, sich endlich seinen Jugendtraum zu erfüllen und ein Buch zu schreiben –, der Koffer jedoch und ebenso die Briefe sind reine Fiktion. Und dazu eine bemerkenswert gute.

Hauptperson ist Eva aus Quickborn, die mit ihrer Freundin Lilli, die in Hamburg in den 30er Jahren einen Feinkostladen eröffnet, in stetem Briefkontakt steht. Beide haben geheiratet: Lilli ihren Hans-Georg und Eva ihren Erich. Der eine ist über die politische Entwicklung und das Erstarken der Nationalsozialisten entsetzt, der andere wird schnell zum strammen Parteigänger, der auf den Führer nichts kommen lässt. Als der Krieg ausbricht, beginnt ein Briefwechsel zwischen den Männern an der Front mit ihren Frauen daheim. Das Ganze nur unterbrochen von Evas späteren Tagebuchaufzeichnungen.

Ohrenzeuge

Salewski ist es nach emsiger Lektüre von zeitgenössischen Quellen gelungen, den Schreibstil jener Zeit erstaunlich gut zu treffen. Zudem nutzte er seine „Quellen“: Als Knirps war er unbemerkt Ohrenzeuge, als seine Oma und ihre Freundinnen beim Kaffeekränzchen vom Zusammenleben mit ihren Männern erzählten. Es war übrigens seine Oma (Eva), die im Roman als Baby verschenkt worden war – eines der wenigen autobiografischen Geschehnisse im Buch.

Ist dieser Roman-Erstling schon erstaunlich, dann ist es die Biografie des Autors erst recht. Der gelernte Elektriker aus Schenefeld (Schleswig-Holstein) hatte mit 23 Jahren noch einmal die Schulbank gedrückt, sein Abitur nachgeholt und anschließend studiert. Derzeit unterrichtet er an einer Oberschule in Bremen. Seinen Roman schrieb er in den Sommerferien.

Ungewöhnlich auch sein Weg in die Literaturszene: Vor Erscheinen hatte Salewski sein Buch 20-fach in einem Copy-Shop gedruckt und diese Exemplare als „Wanderbücher“ ausgelegt mit der Bitte um ein Feedback. Mit der positiven Resonanz im Rücken fand er einen Verlag.

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2061

Weitere Nachrichten:

Oberschule Asperg

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.