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Tom Clancys Mit „aller Gewalt“: Geheime Aktionen in Nordkorea – überraschend aktuell

22.02.2017

Oldenburg Er ist tot und lässt schön grüßen, könnte man mit Goethe sagen. Wie kann ein Toter noch Bücher veröffentlichen? 2013 ist der amerikanische Thrillerautor Tom Clancy gestorben, einer, der Mega-Bestseller verfasst hat, der die Vorlage für den U-Boot-Spielfilm „Jagd auf Roter Oktober“ lieferte. Clancys Stoffe werden seit Jahren weiter fortgeschrieben, von ehemaligen und neuen Co-Autoren, so auch jetzt das Buch „Mit alter Gewalt“. Auf dem Buchumschlag stehen diesmal die Autorennamen von Tom Clancy (groß) und Mark Greaney (deutlich kleiner), und man fragt sich, ob so eine Vermischung oder auch nur Namensnutzung gut ist.

Tom Clancy war bekannt für mächtige, weltumspannende Romane, die gern als Polit- oder Technikthriller bezeichnet werden. Längst nicht so tiefsinnig und literarisch fein gedrechselt wie die von John le Carre, eher robuster, militärfreundlicher, ohnehin amerikanischer.

Kritiker und missgünstige Autoren warfen Clancy vor, kein Autor zu sein: kein Stil, keine Feinheit, eher hölzerne Charaktere, einfache Plots, kurzum: nur rumpelige Technothriller.

Verfilmungen von Clancy-Romanen – „Jagd auf Roter Oktober“

Mindestens vier von Tom Clancys Büchern wurden in finanzieller Hinsicht erfolgreich verfilmt: „Jagd auf Roter Oktober“ (1990, Hauptrolle Alec Baldwin), „Die Stunde der Patrioten“ (1992, Hauptrolle Harrison Ford), „Das Kartell“ (1994, Hauptrolle Harrison Ford), „Der Anschlag“ (2002, Hauptrolle Ben Affleck).

Das Buch „Mit aller Gewalt“ von Clancy und Mark Greaney ist bei Heyne erschienen. Es wurde von Michael Bayer, Karlheinz Dürr und Henning Dedekind aus dem Amerikanischen übersetzt (733 Seiten, 26,99 Euro).

Inzwischen werden Bücher unter Clancys Namen verkauft, die kaum oder gar nicht seiner Feder entspringen, aber einen ähnlichen Stil pflegen. Hierzu gehören etwa die Serien „Tom Clancy’s Op-Center“ oder „Tom Clancy’s Power Plays“.

Clancy hat auch Sachbücher geschrieben, die sich mit U-Booten oder US-Spezialeinheiten befassen. Koautor Greaney hat laut Verlag international an Militär- und Polizeiübungen teilgenommen.

Clancy wurde 1947 in Baltimore geboren, nach dem Tod 2013 hinterließ er ein Meer an Romanen und Stoffen. Jedenfalls sehen das die veröffentlichenden Verlage so. Von seinen Büchern wurden bis heute über 100 Millionen Exemplare gedruckt. Das heißt: Clancy ist offenbar kein Autor, sondern eine Fabrik für Texte. Manchmal denkt man das ja auch bei den Namen Robert Ludlum oder Dan Brown.

Clancys Bücher sind, wenn man sich darauf einlässt, als Spannungsromane wunderbar zu lesen. Selbst, wenn sie total unwahrscheinlich wirken. Im neuen, unverhofft aktuellen Roman „Mit aller Gewalt“ spielt der Schurkenstaat Nordkorea, der erst jüngst die Weltgemeinschaft mit neuen Raketenstarts schockte, eine zentrale Rolle: Ein nordkoreanischer Anführer, natürlich ein dekadenter Kerl, will unbedingt Langstreckenraketen haben, um so atomare Waffen direkt auf die USA richten zu können. Seine Leute bringt er dadurch ins Schwitzen, müssen sie doch ermöglichen, was in dem Land eigentlich wegen Devisenschwäche und internationaler Isolation nicht möglich ist. Also beginnt ein Geheimspiel: Ein nordkoreanisches Bergwerk für seltene Erden soll so geschickt ausgebeutet werden, dass man mit dem gewonnenen Geld teure Waffen kaufen kann.

Wer das Böse verhindern kann? Selbstredend nur die amerikanischen Geheimdienste mit ihren supersympathischen Geheimagenten, darunter sogar dem Sohn des amtierenden Präsidenten, der mitrecherchiert, mitschießt, mit verhindert. Jack Ryan heißt der US-Präsident im Roman. Wir kennen ihn aus Thrillern von Clancy, es ist der 18. Roman mit Ryan. Der ist als Präsident, was die Entschlusskraft betrifft, so stark wie Donald Trump, jedoch ein wenig klüger.

Der Roman spielt auf dem gesamten Globus, das heißt, wir begleiten den Präsidenten auf einem Mexikobesuch, wir gucken den US-Agenten in Ho-Chi-Minh-Stadt in Vietnam und dem armen US-Spion im armen Nordkorea über die Schulter oder sitzen mit der CIA in Langley. Oder, wie es die britische „Sunday Times“ mal auf den Punkt brachte: „Kein anderer Autor zeichnet ein umfassenderes Bild von internationalen Konflikten der Moderne.“

Tatsächlich ist der Wälzer wie aus einem Guss geformt und detailgenau. Wenn man über den Stil hinwegliest, dann hat man seinen Spaß. Und das ist doch schon was.

Dr. Reinhard Tschapke Redaktionsleitung / Kulturredaktion
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