- Müsste man den Inhalt von Günter Grass’ Roman „Der Butt“ (1977) zu einem einzigen Satz eindampfen, wäre es das Sprichwort: „Liebe geht durch den Magen.“ Im Rückgriff auf das Märchen „Vom Fischer und seiner Frau“ („Meine Frau, die Ilsebill, will nicht so, wie ich es will“) wird hier nämlich in Form einer Liebesgeschichte eine die Epochen übergreifende Kulturgeschichte deutscher Kochkunst erzählt. So unangestrengt unterhaltsam und vergleichsweise unprätentiös hat Grass später nie wieder geschrieben. (Günter Grass: „Der Butt“, dtv 14480, 14,90)
Die Currywurst ist längst ein Klassiker deutscher Kochkunst oder, vielleicht treffender gesagt, deutschen Kochhandwerks. Und Uwe Timms wunderbare Novelle über „Die Entdeckung der Currywurst“ ist längst zu einem kleinen Klassiker der deutschen Literatur geworden. Die epochale Entdeckung sei, so Uwe Timm augenzwinkernd, der Besitzerin einer Hamburger Imbissbude gelungen, damals, 1945, kurz vor Kriegsende, als ... Aber lesen Sie selbst! (Uwe Timm: „Die Entdeckung der Currywurst“, dtv 21908, 11,-)
„Unter der Jaguarsonne“ vereint drei Erzählungen des italienischen Autors Italo Calvinos über die Sinneswahrnehmungen Schmecken, Riechen und Hören. Während einer Mexikoreise lässt sich ein Paar, angeregt durch die exotische Küche und archaische Opferrituale, zu Schlemmerexzessen hinreißen, die an kannibalische Fantasien heranreichen. (Italo Calvino: „Unter der Jaguar-Sonne“, Fischer TB 90537, 12,99)
Die aus Vietnam stammende Kanadierin Kim Thúy erzählt in ihrem sehr charmanten Roman „Der Geschmack der Sehnsucht“, wie eine junge, zwangsverheiratete Frau aus einer schäbigen Garküche nach und nach ein Spitzenrestaurant macht, indem sie die raffinierten Rezepte ihrer asiatischen Heimat erinnert. „Er habe“, so ein Gast, „sein Land geschmeckt, während er die Suppe aß, sein Land, wo er geliebt werde.“ Auch hier geht am Ende die wahre Liebe durch den Magen. (Kim Thúy: „Der Geschmack der Sehnsucht“, dtv 14446. 8,90)
Von Pilzen, insbesondere von denen, die merkwürdige Fantasien und bunte Träume bescheren, ist auch schon in Grass’ „Butt“ die Rede. Wer auf Nummer Sicher gehen, aber nicht auf eine leckere Pilzmahlzeit verzichten möchte, sei Catrin Cohnens Pilzbuch empfohlen, das von Diana Lawniczak hübsch illustriert ist – eigentlich kein Bestimmungsbuch, sondern eher eine Liebeserklärung ans Reich der Pilze. (Catrin Cohnen: „Das kleine Pilzbuch“, insel tb 4286, 7,-)
