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NWZonline.de Nachrichten Kultur Literatur

Gesichter von Gedichten

22.05.2012

Im Gedicht gewinnt die Sprache die äußerste Verdichtung ihrer sinnlichen und intellektuellen Möglichkeiten. Es geschieht auf einmal, so wie uns ein Gesicht auf einmal erscheint.“ In seinen kurzen, präzisen Interpretationen von 60 deutschen Gedichten gelingt es dem Literaturwissenschaftler Peter von Matt überzeugend, die Physiognomie dieser teils berühmten, teils eher unbekannten Texte zu zeichnen (Peter von Matt: „Wörterleuchten“, dtv 34665,€ 9,90).

Pablo Neruda zählt zu den größten Dichtern des 20. Jahrhunderts. Seine „Liebesgedichte“ (zweisprachig, gebunden in flexibles Leinen – man staune: Auch das gibt es als Taschenbuch!) belegen nachdrücklich den Rang des chilenischen Nobelpreisträgers (Pablo Neruda: „Liebesgedichte“, btb, € 9,99). Mit seinem Roman „Mit brennender Geduld“ hat Antonio Skármeta seinem Landsmann Neruda ein wunderbares, literarisches Denkmal gesetzt. Erzählt wird von der Freundschaft zwischen Neruda und einem einfachen Briefträger, dem der Dichter kraft seiner Wortgewalt hilft, das Herz seiner Angebeteten zu gewinnen. Das Buch wurde unter dem Titel „Il Postino“ auch verfilmt (Antonio Skármeta: „Mit brennender Geduld“, Piper 2678, € 8,99).

Auch Schlagertexte sind Gedichte, und ohne ihre nicht selten sehr poetischen Lyrics würde vielen Rocksongs ihre Durchschlagskraft fehlen. In „Rock Lyrics“ lassen sich zeitgenössische deutsche Dichter von großen Rocksongs zu mehr oder minder freien Nachdichtungen inspirieren, in denen die enge Verwandtschaft zwischen Songtext und Lyrik deutlich wird (Thomas Kraft (Hg.): „Rock Lyrik“, dtv 13996, € 9,90).

Auch die Lyrikerin Mascha Kaléko, die 1938 über New York nach Israel emigrierte, hatte keine Berührungsängste zur „leichten Muse“ und schrieb Texte für Chansons. Ihre eleganten, heiter-melancholischen Gedichte, die an Tucholsky und Erich Kästner erinnern, erfreuen sich immer noch großer Beliebtheit. Jutta Rosenkranz hat eine inspirierte Biografie Kalékos vorgelegt (Jutta Rosenkranz: „Mascha Kaléko“, dtv 34671,€ 9,90).

Stefan George ist der umstrittenste deutsche Lyriker des 20. Jahrhunderts. Seine Wirkungsgeschichte ist überschattet vom Ruf, geistiger Wegbereiter des Nationalsozialismus gewesen zu sein, aber auch lyrischer Stichwortgeber einer in Päderastie umgeschlagenen Reformpädagogik, die mit den Vorgängen an der Odenwaldschule öffentlich wurden. Ulrich Raulffs fulminante Studie über Georges Nachleben zeigt, dass und wie das Gesicht der Lyrik auch zur Fratze werden kann (Ulrich Raulff: „Kreis ohne Meister“, dtv 34703, € 16,00).

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