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NWZonline.de Nachrichten Kultur Literatur

Literatur: Was Kirche konkret leisten kann – und sollte

18.03.2020

Köln /Freiburg Jeden Tag eine gute Tat. Wer das neue Buch des Kölner „Sozialpfarrers“ Franz Meurer liest, kommt schnell auf den Gedanken, dass sich der 68-Jährige voll und ganz diesem Satz verschrieben hat. Seit 1992 leitet er die katholische Gemeinde in den Problemstadtteilen Höhenberg und Vingst. In dieser Zeit bauten Meurer und seine Mitstreiter etliche Sozialprojekte auf, darunter eine der größten Ferienfreizeiten für benachteiligte Kinder Deutschlands.

Bekannt geworden ist der Pfarrer vor allem für seine Anpacker-Mentalität. So entfernte er Wahlplakate einer rechtsextremen Partei und wurde dafür angezeigt. Er hielt eine Kollekte für den Bau der Kölner Zentralmoschee. Er ließ einen Spritzenautomaten für Drogenabhängige an seiner Kirche anbringen.

Sein neues Buch „Glaube, Gott und Currywurst“ erscheint am Montag im Freiburger Verlag Herder. Auf rund 200 Seiten schreibt Meurer einerseits, was die Kirche in „einem armen Veedel“ – also einem armen Viertel – konkret leisten kann; andererseits was sie mit Blick auf kontroverse Fragen – etwa bezüglich der Beteiligung von Frauen – leisten sollte. Dabei gelingt der erste Teil gut, der zweite lässt Fragen offen.

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Mit vielen Beispielen macht Meurer das Engagement der Menschen in Höhenberg und Vingst anschaulich. Hunderte von Beeten hat die Gemeinde in den Stadtteilen bepflanzt. Die kirchliche Kleiderkammer und Essensausgabe sollen den Bedürftigen helfen. Die Pfarrei ermöglicht Jugendlichen auf Jobsuche, den Gabelstaplerführerschein zu machen. Ehrenamtlich putzen Frauen und Männer Kirche, Pfarrsaal und Jugendräume, damit genug Geld für den Messdienerausflug bleibt.

Insgesamt bezeichnet er die Kirche als einen Dienstleister, der für die Menschen da sein soll. Deshalb sei es auch in Ordnung, wenn sich Familien mit Kindern im Sommer für einen Ausflug und nicht für die Messe entschieden. „Dass Familien sonntags an sich denken – Was tut uns jetzt gut? – finde ich normal“, erklärt er. Im Herbst fülle sich das Gotteshaus wieder.

So viel Optimismus von einem Kirchenmann tut gut. Das positive Menschenbild und den Pragmatismus hält Meurer durch, wenn es um kirchenpolitische Fragen geht. Leider vergisst er dabei, Stellung zu beziehen. Etwa in der Frauenfrage. Vor etwa einem Jahr forderten katholische Frauen aus Münster mehr Rechte in der Kirche und riefen zum Streik auf. Die Initiative Maria 2.0 ist zu einer deutschlandweiten Bewegung geworden. Eine zentrale Forderung: Die Zulassung von Frauen zu allen Weiheämtern, denn bislang dürfen in der katholischen Kirche nur Männer Diakone und Priester werden.

Auch in Meurers Gemeinde gibt es eine Gruppe von Maria 2.0, wie er schreibt. Immer wieder hebt er weibliches Engagement hervor, egal ob es um „liebe Frauen“ geht, die Blechkuchen backen, oder um die energiegeladene Gemeindereferentin. Ausdrücklich verweist er auf Maria Magdalena, die Papst Franziskus auf die gleiche Stufe wie die Apostel gehoben habe.

Ob Meurer nun für oder gegen die Weihe von Frauen ist, sagt er aber nicht. Sicher: Nur der Vatikan kann über die Frauenfrage entscheiden. Deshalb ist es in Ordnung, dass sich ein Gemeindepfarrer zurückhält. Andererseits sollten vielleicht gerade die Pfarrer klar Stellung beziehen.

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