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NWZonline.de Nachrichten Kultur Literatur

Wale als Zugmaschinen

18.03.2019

Der deutsch-französische Dichter Adelbert von Chamisso war auch ein angesehener Naturforscher. Als solcher nahm er 1815 bis 1818 an einer Weltumseglung teil und kam bei der Beobachtung von Walen auf die kuriose Idee, diese zu zähmen und als lebende Zugmaschinen einzusetzen. „Ob und wie man ihn anspannt oder belastet, wie man ihn zäumt oder sonst regiert (…)das wird sich alles von selbst finden.“ Diese kuriosen Ideen erwähnt W.G. Sebald in seinem poetisch-spröden Werk „Nach der Natur“, in dem es um die Unvereinbarkeit von Natur und Gesellschaft geht, um „die lautlose Katastrophe“ der Naturzerstörung durch den Menschen. (W.G. Sebald: „Nach der Natur“, Fischer Taschenbibliothek, 12,-)

Die Hoffnung, in der Natur, in der Wildnis jenseits der Zivilisation, ein besseres Leben zu finden, ist ein vielfach wiederkehrendes Motiv in der Literatur – so zum Beispiel Dave Eggers’ „Bis an die Grenze“. Der Roman erzählt von einer alleinerziehenden Frau, der die Alltagsdinge über den Kopf wachsen. Sie mietet ein Wohnmobil und bricht mit ihren Kindern in die Wildnis Alaskas auf, um endlich zu sich selbst zu finden. Doch die Wildnis erweist sich als ebenso unbequem wie die Geister der Vergangenheit, vor der sie flieht. (Dave Eggers: „Bis an die Grenze“, KiWi 1621, 12,-)

In den 90er Jahren unternahm eine Gruppe amerikanischer Wissenschaftler den Versuch, in einem künstlich geschlossenen Ökosystem das Leben und die Natur zu simulieren. Zwei Jahre harrten acht Forscher unter einer gewaltigen Glaskuppel aus, und T.C. Boyles Roman „Die Terranauten“ nutzt das Experiment zu einer bösen Satire auf Medienwahn, Profilneurosen und Wissenschaftshörigkeit. (T.C. Boyle: „Die Terranauten“, dtv 14646, 13,90)

Jäger waren für die Journalistin Antje Joel „das Synonym deutschen Spießbürgertums“, bis sie durch einen Zufall selber zur Jägerin wurde. Ihr witziger, selbstironischer Erfahrungsbericht stellt unter anderem die Frage, ob und wie man sich aus dem System Natur heraushalten kann, in das der Mensch sich längst bis zur globalen Zerstörung eingemischt hat. Sogar „der fleisch-leder-pelz-eier-milch-honigfrei lebende Edelbürger schadet der Natur nachhaltig“. (Antje Joel: „Jagd. Unsere Versöhnung mit der Natur“, rowohlt Polaris, 14,99)

Dass der Mensch Teil der Natur ist, scheint in Vergessenheit zu geraten. Unser Leib ist jedoch die Natur, die wir selbst sind. Gernot Böhmes philosophische Studie sollte Pflichtlektüre für alle sein, die ernsthaft über das Verhältnis von Mensch und Natur nachdenken und debattieren. (Gernot Böhme: „Leib. Die Natur, die wir selbst sind“, stw 2270, 18,-)

Klaus Modick über Bücher zum Thema Mensch und Natur

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