Politische Eliten sind heute „bestenfalls Schwämme, die Stimmungen aufsaugen; sie sind jedoch keine Avantgarden, die Entwicklungen prägen. Zur Führung ist die politische Elite kaum noch fähig; geistig oder moralisch kann sie weder voranschreiten noch wenden.“ Zu diesem ernüchternden Fazit kommt Franz Walter in seiner Galerie deutscher Politikertypen der vergangenen 60 Jahre. Denn „in der Politik geht es um Macht, nicht um Sinnstiftung, nicht um Identitätswahrung, nicht einmal um Glaubwürdigkeit“. (Franz Walter: „Charismatiker und Effizienzen. Porträts aus 60 Jahren Bundesrepublik“, edition suhrkamp 2577, 15 Euro)
Max Webers klassische Unterscheidung zwischen charismatischer und bürokratischer Herrschaft ist nach wie vor aktuell. Während hierzulande der Typ Büroleiter (Kauder, Schäuble, Steinmeier etc.) dominiert, haben sich die USA mit Barack Obama wieder einmal einen Präsidenten genehmigt, der Ausstrahlung und politische Visionen hat. Und das Buch über die Geschichte seiner afro-amerikanischen Familie ist nicht nur gut, sondern sogar von ihm selbst geschrieben. Das ist bemerkenswert, weil Politiker „ihre“ Bücher üblicherweise schreiben lassen. (Barack Obama: „Ein amerikanischer Traum. Die Geschichte meiner Familie“, dtv 34570. 9,90 Euro)
Statt den Verlust der Macht an die Wirtschaft zu beklagen, kommt es in der globalisierten Welt darauf an, kosmopolitisch zu denken. Zurück zur autarken Nation führt ohnehin kein Weg. Der Soziologe Ulrich Beck fordert in seiner Studie zur neuen weltpolitischen Ökonomie dazu auf, die Herausforderung anzunehmen: „Die Regeln legitimer Herrschaft werden neu ausgehandelt.“ Trotz barbarischer Tendenzen sei noch nichts verloren. (Ulrich Beck: „Macht und Gegenmacht im globalen Zeitalter“, suhrkamp tb 4099, 12 Euro)
Vom Widerspruch zwischen Geist und Macht, Intelligenz und Barbarei, vom Missbrauch politischer Macht und vom Widerstand dagegen erzählt Hans Magnus Enzensbergers doku-fiktionale Geschichte des charismatischen Generals Kurt von Hammerstein. (Hans Magnus Enzensberger: „Hammerstein oder Der Eigensinn. Eine deutsche Geschichte“, suhrkamp tb 4095, 9,90 Euro)
Zum Schluss ein politischer Roman von weltliterarischem Rang: António Lobo Antunes erzählt über die Geschichte Portugals zwischen Diktatur und Sozialismus. (António Lobo Antunes: „Das Handbuch der Inquisitoren“, btb 73926, 11 Euro)
