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NWZonline.de Nachrichten Kultur Literatur

Perfides Spiel hinter den Kulissen

18.02.2019

München London kurz vor der Eröffnung der Olympischen Spiele: Politik und Polizei haben alle Hände voll zu tun mit Organisation und Absicherung. Dem seit seinem jüngsten Fall („Die Ernte des Bösen“, 2016) zwar äußerst populären, aber klammen Privatdetektiv Cormoran Strike kommt der Anruf des Kulturministers sehr zupass. Jasper Chiswell wird erpresst. Er fürchtet einen Skandal. Strike soll helfen. Das wird er, wenn auch nicht so, wie Chiswell es sich vorgestellt hat.

Fast drei Jahre dauerte es, bis Robert Galbraith alias J.K. Rowling (53) ihren Ermittler wieder in die Spur schickte. Doch die Wartezeit hat sich gelohnt. „Weißer Tod“, der vierte Fall für Strike und seine Partnerin Robin Ellacott, toppt seine sehr erfolgreichen Vorgänger noch – an Komplexität und Raffinesse.

Die Schöpferin von Harry Potter versteht es exzellent, persönliche Befindlichkeiten ihrer Protagonisten in politische und gesellschaftliche Konstellationen einzubetten, dabei ein überwältigendes Lokalkolorit zu vermitteln und eine fesselnde Geschichte zu formulieren.

Bevor sich Strike und Robin mit dem Chiswell-Fall befassen, hat der Detektiv eine Begegnung mit einem offenbar psychisch kranken jungen Mann, der in seiner Kindheit einen Mord beobachtet zu haben glaubt. Strike nimmt Billys Gestammel ernst und forscht nach. Seine Spur führt ihn zu Billys Bruder Jimmy und in die Londoner Autonomen-Szene, die gegen die Spiele protestiert und die Tory-Regierung ohnehin im Fokus ihres Widerstands hat.

Alles spricht dagegen, doch wenn Strike seinem Bauchgefühl folgen will, muss er Billys Beobachtung mit dem Chiswell-Auftrag in Verbindung bringen. Doch er findet heraus, dass Chiswells Erpressung nichts damit zu tun hat, der Anlass für die penetrante Nötigung ist nicht einmal gesetzeswidrig.

Wer Chiswell erpresst, wird lange ein Rätsel sein. Und auch der Grund dafür kommt erst kurz vor Ende ans Licht. Sowohl der Minister als auch seine Familie halten sich äußerst bedeckt. Sie betonen lediglich, dass nichts Illegales vorgefallen sei, allenfalls etwas moralisch Bedenkliches. Und dann geschieht ein Mord, der neue Rätsel aufgibt.

So irren Robin und Strike zwischen Mord und Erpressung, zwischen Motiv und Möglichkeit aller Verdächtigen hin und her und kommen der Lösung immer nur in winzigen Schritten näher. Dieses langsame Herantasten offenbart die Kunst der Autorin, die Spannung auch ohne Spektakel hoch zu halten. Zum Teil erreicht sie das mit straff gespannten Beziehungsfäden zwischen den beiden ungleichen Partnern, die in ihren jeweiligen Verbindungen zu ersticken drohen, aber unfähig sind, sich gegenseitig anzuvertrauen.

Strike und Robin sind sowohl Kitt als auch Suchtfaktor in den Galbraith-Storys. Wer die drei Vorgänger-Krimis nicht kennt – was schade, aber auch kein Hindernis wäre –, wird im vierten Buch gleich zu Beginn mit dieser außergewöhnlichen Koalition konfrontiert, nämlich bei der von Strike sehr missbilligend zur Kenntnis genommenen Hochzeit Robins mit ihrem Jugendfreund Matthew. Am Ende des Buches gibt es neue Konstellationen und neuen Stoff zum Spekulieren.

Was die Lektüre besonders macht, ist der Kriminalfall, der fiktiv, aber durchaus denkbar ist – teilweise angesiedelt in einem der Öffentlichkeit weniger zugänglichen Milieu – der großen Politik und High Society Londons. Die Olympischen Spiele samt anschließenden Paralympics versetzten London 2012 tatsächlich in einen Ausnahmezustand, was den Plot noch authentischer wirken lässt.

Rowling selbst nennt das Buch „eines der anspruchsvollsten, die ich je geschrieben habe; zugleich ist es auch eins meiner liebsten“. Dem wird man sich vermutlich gern anschließen.

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