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NWZonline.de Nachrichten Kultur Literatur

Weit entfernt vom Happy End

01.03.2018

Oldenburg Der „Meine geniale Freundin“-Kreis hat sich geschlossen. Die Neapolitanische Saga über die lebenslange, spannungsgeladene Verbindung zwischen Elena und Raffaela (genannt Lila), deren Freundschaft mal strahlend, mal düster ist, endet mit dem vierten Band „Die Geschichte des verlorenen Kindes“. Hat Autorin Elene Ferrante in den vorangegangenen Bände die Lebensabschnitte Kindheit, Jugend und Erwachsenenjahre thematisiert, folgen nun Reife und Alter.

Zurück in den „Rione“

Ich-Erzählerin Elena hat sich doch wieder auf den „Rione“ eingelassen, jenen ärmlichen, von Gewalt und grobem Dialekt geprägten Stadtteil Neapels, in dem sie mit ihrer Freundin Lila in den fünfziger Jahren aufgewachsen ist. Ist mit ihren Töchtern, die sich eigentlich an das Leben im Wohlstand der einflussreichen, gebildeten Airotas (Elenas Schwiegerfamilie) gewöhnt haben, zurück in die wenig glanzvolle Umgebung gezogen. Zurück zu Lila, die ihrerseits den Rione nie verlassen hat. Während Elena ihren Ruf als Autorin weiter verfestigt und mit ihrem von Kindheitstagen an geliebten Nino durchbrennt – und ihre Kinder dafür lange Zeit vernachlässigt –, arbeitet sich Lila gemeinsam mit ihrem Freund Enzo in der sich allmählich entwickelnden IT-Branche zu einer erfolgreichen Unternehmerin hoch.

Blick von Neapel aus auf den schneebedeckten Vesuv am 21. März 2007. Bild: dpa

Elena lechzt – wie schon ihr gesamtes Leben – nach der Zustimmung anderer. „Wie sehr ich litt, wenn mir plötzlich die Zustimmung versagt wurde. Ich verlor mein Selbstvertrauen, fühlte mich bis auf den Grund meiner Herkunft herabgezogen.“ Lila dagegen scheint die Welt von einer höheren Perspektive aus zu beobachten und zu durchschauen, weiß auch genau, was bei Elena passiert. „Ich war verletzt, (…) weil es ihr gelungen war, mir das zu beweisen, was sie mir praktisch schon von Anfang an gesagt hatte: dass meine Entscheidung falsch war, dass ich dumm war.“ Doch wenn Elena als Konsequenz Lila aus ihrem Leben verbannt (oder es zumindest versucht), scheint es so, als verbanne sie einen grundlegenden Teil ihres eigenen Ichs aus ihrem Leben. Lila vermag es, den Menschen vor Augen zu halten, was diese sich selbst nicht eingestehen wollen. Schon als Kind, schreibt Elena, hatte sie die Fähigkeit besessen, „dir das Chaos aus Kopf und Brust zu reißen, um es dir dann wohlsortiert zurückzureichen, oder dich, wenn sie dich nicht leiden konnte, durcheinanderzubringen und dann entmutigt stehen zu lassen.“

Elena Ferrante – die unbekannte Autorin

„Die Geschichte des verlorenen Kindes“ wurde von Karin Krieger aus dem Italienischen übersetzt und ist im Suhrkamp-Verlag erschienen (Buchumschlag rechts; 614 S., 25 Euro).

Elena Ferrante hat sich mit dem Erscheinen ihres Debütromans 1992 für die Anonymität entschieden. Ihre vierbändige Neapolitanische Saga – „Meine geniale Freundin“, „Die Geschichte eines neuen Namens“, „Die Geschichte der getrennten Wege“ und „Die Geschichte des verlorenen Kindes“ – ist ein weltweiter Bestseller.

Enthüllungsjournalist Claudio Gatti zufolge verbirgt sich hinter dem Pseudonym Elena Ferrante die Übersetzerin Anita Raja. Sein Artikel erschien 2016 zeitgleich in internationalen Zeitungen. Die Enttarnung wurde aber weder bestätigt noch dementiert.

Das heißt aber nicht, dass Lila diejenige ist, die man beneidet. Im Gegenteil. Einmal erklärt sie: „Das Problem ist immer nur die Unruhe im Kopf gewesen. Ich kann sie nicht abstellen, immer muss ich arbeiten, überarbeiten, zudecken, aufdecken, verstärken, und dann plötzlich wieder niederreißen, zerschlagen.“

Rückblick aufs Leben

Das Besondere an der Tetralogie ist, dass Elena ihre (und damit auch Lilas Geschichte) am Ende ihres Lebens erzählt. Die Erzählerin selbst weiß also in jedem Moment, wie sich jedes noch so kleine Ereignis, sei es schmerzhaft oder fröhlich, auf das gesamte Leben auswirken wird. Je weiter die Geschichte voranschreitet, desto mehr Schmerz erleben die beiden Hauptfiguren. Ohne dass sich Trost, Hoffnung und Glück als ein gleich schweres Gegengewicht zu etablieren scheinen. Mehrere Figuren sterben in diesem vierten Teil. Und wie bereits der Titel des Buches verrät: Es geht auch um den Schicksalsschlag, ein Kind zu verlieren. So düster das Leben den beiden Frauen auch mitspielt, so spannend ist ihre Geschichte.

Vierteiliger Bestseller

Sollte man die vorangegangenen drei Bände kennen, ehe man diesen finalen Band liest? – Ja, unbedingt. Kein Wunder, dass nicht nur dieser vierte, sondern auch der erste Band der Saga („Meine geniale Freundin“) aktuell wieder in der Spiegel-Bestsellerliste auftaucht. Ohne die vorherige Geschichte zu kennen, vermag man die Bedeutung der Ereignisse oder auch das Verhalten der Figuren dieses finalen Teils nicht einzuschätzen. Wie auch in den vorangegangenen Bänden stellen die Namen der vielen Figuren manchmal eine Behinderung für den Lesefluss dar. Zum Glück gibt es eine wirklich gute Übersicht all der Protagonisten am Anfang des Buches. Die Kapitel sind wie auch in den vorigen Bänden praktischerweise relativ kurz, die Sprache ist gut verständlich, die Erzählweise fesselnd.

Lesen Sie auch: Im „Ferrante-Fieber“, NWZonline-Artikel vom 19.10.2017

Hörbuchsprecherin Eva Mattes über Elena Ferrantes Saga:

Jantje Ziegeler Redakteurin / Online-Redaktion
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