ST. PöLTEN - Peter Henisch: „Die schwangere Madonna“, Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg, 344 Seiten, 22,90 Euro.

Von Regina Jerichow

ST. PÖLTEN - Josef Urban, ein angegrauter Mitarbeiter des österreichischen Rundfunks, ist am Ende: den Job durch Sparmaßnahmen verloren, die Ehe gescheitert. Da bleibt nur die Flucht, fort von der eigenen nichtsnutzigen Existenz, um dem Leben eine neue Richtung zu geben.

Ungeachtet der Tatsache, dass er nicht einmal einen Führerschein besitzt, schnappt er sich ein Auto, an dem zufälligerweise außen der Schlüssel steckt. Viel zu spät entdeckt er auf der Rückbank ein Mädchen, das seinerseits Grund hat, das Weite zu suchen. Die Schülerin mit Namen Maria ist von ihrem Religionslehrer schwanger, der nichts mehr von ihr wissen will und dem im Übrigen das Auto samt Führerschein im Handschuhfach gehört. Ein Denkzettel könnte ihm nicht schaden.

So macht sich das ungleiche Paar auf den Weg ins winterkalte Italien – Maria und Josef auf Herbergssuche. Eine abenteuerliche Reise, die als unerwartete Zweckgemeinschaft beginnt, für den männlichen Part zur Obsession wird und schließlich vor dem berühmten Fresko der „Madonna del parto“ endet, das – mit einem Handy versehen – auch das Buchcover ziert.

Der österreichische Autor Peter Henisch hat mit seinem ebenso wunderlichen wie zauberhaften Roman „Die schwangere Madonna“, der gleich nach Erscheinen für den Deutschen Buchpreis nominiert worden ist, ein literarisches Roadmovie vorgelegt – tragisch, komisch, gallig und voller Querverweise auf die Mythologie und Figuren der Weltliteratur, wie etwa Max Frischs „Homo Faber“, Thomas Manns Schriftsteller Gustav von Aschenbach aus dem „Tod in Venedig“ und der Literaturwissenschaftler Humbert Humbert aus Vladimir Nabokovs „Lolita“.

Man ahnt von Anfang an, dass Josef Urban ebenso an seiner Liebe zugrunde gehen und an seinem Schicksal scheitern wird wie seine Alter Egos: Das Buch ist als Bericht verfasst, den Urban im Gefängnis zur eigenen Verteidigung für einen italienischen Commissario schreibt.

„Dio c’è“, liest Urban als Graffiti in Italien – Gott existiert. Und je mehr er die schwangere Maria vergöttert – dabei hat die Gute mehr Haare auf den Zähnen und im Gemüt als auf dem Kopf –, desto mehr erliegt er der Illusion, er könnte Teil einer modernen Heilsgeschichte sein.

Doch der Wunsch nach Erlösung, nach der Flucht aus dem eigenen in ein anderes Leben, erfüllt sich nicht. Fast genüsslich holt Henisch seinen Protagonisten auf den Boden der Realität zurück. Und dessen Fallhöhe ist beträchtlich.

Immerhin lässt der Autor am Ende die Möglichkeit einer höheren Gerechtigkeit offen – „eine Gerechtigkeit mit Sinn für Humor“. Wenn auch manchmal mit einem ziemlich eigenwilligen.