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NWZonline.de Nachrichten Kultur Literatur

Dem Präriewind zugehört

31.01.2018

Zürich Das muss doch einen Grund haben, dass die Romane von Kent Haruf (1943– 2014) nicht nur als Buch erfolgreich sind, sondern immer gleich verfilmt werden. Die Weltstars Jane Fonda und Robert Redford konnten 2017 in „Unsere Seelen bei Nacht“ glänzen. Auch der Roman „Lied der Weite“, der gerade in einer neuen Ausgabe bei Diogenes vorliegt, ist schon 2004 fürs amerikanische Fernsehen entdeckt worden.

Der Grund liegt auf der Hand: Natürlich liegt es am Autor und seiner unprätentiösen, bedächtigen Art des Erzählens, seinem klaren, schlichten Stil, der nichts verschwurbelt, und seinen bodenständigen Protagonisten. Haruf scheint ihnen immer ganz nah zu sein. In allen sechs Romanen leben seine Geschöpfe in der fiktiven Kleinstadt Holt in Colorado – in dem US-Bundesstaat, in dem Haruf geboren wurde und – vielfach ausgezeichnet – gestorben ist.

„Plainsong“ lautet der Originaltitel des Romans, mit dem der damals 58-Jährige in den USA einen Überraschungserfolg landete. Die deutsche Erstausgabe im Jahr 2001 (btb) hieß „Flüchtiges Glück“. Nun also „Lied der Weite“. Der Diogenes-Titel trifft es weit besser, denn „Plainsong“ verweist sowohl auf den Schauplatz – die Weite der amerikanischen Prärie – als auch auf den einfachen Schreibstil des Autors. Dabei ist das Schlichte keineswegs mit Langeweile gleichzusetzen: Kent Haruf ist einer der großen amerikanischen Schriftsteller, er erzählt nicht bloß, er entwickelt die Handlung wie im Drehbuch und lässt seinen prallen Figuren etwas zustoßen, mit dem sie fertig werden müssen.

Die Bewohner von Holt erwarten nicht viel vom Leben, mal sind es Kleinstädter wie Tom Guthrie, der Geschichtslehrer, oder Viehzüchter wie die alten, verschrobenen McPheron-Brüder. Gern und oft fahren sie mit dem Pick-Up durch die Gegend.

Die Probleme sind kompliziert, aber alltäglich: Guthrie muss seine beiden kleinen Söhne allein versorgen, weil seine Frau an Depressionen leidet und schließlich auszieht; die 17-jährige Schülerin Victoria ist schwanger und wird von ihrer alkoholkranken Mutter auf die Straße gesetzt. Tatkräftiges Bindeglied dieser Figurenriege ist die Lehrerin Maggie, die dafür sorgt, dass der schwangere Teenager bei den beiden wortkargen Farmern unterkommt, die sich bisher ausschließlich mit Ackerbau und Viehzucht beschäftigt haben. Und dann zeigt sich, wie aus dieser merkwürdigen Allianz trotz aller Unwägbarkeiten eine Art Familie entsteht.

Alles nicht spektakulär, aber ungemein fesselnd geschrieben. Die Kleinstadt Holt steht auf keiner Landkarte, und doch beschleicht einen das Gefühl, schon mal dort gewesen zu sein. Fast meint man, dem Präriewind zu lauschen, wie er über Felder und durch Straßen fegt. Auf eine erneute Verfilmung, diesmal fürs Kino, muss man vielleicht gar nicht lange warten.

Regina Jerichow
Stellv. Redaktionsleitung
Kulturredaktion
Tel:
0441 9988 2061

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