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NWZonline.de Region Vechta Gemeinden Lohne

Musik-Erlebnis im Komponisten-Jubiläumsjahr

28.09.2010

LOHNE Was Freunde der Orgelmusik am Sonntag, 26. September, in St. Gertrud in Lohne hörten, entsprach so gar nicht gängigen Vorstellungen. Der Interpret Prof. Wolfgang Baumgratz, Organist am Bremer Dom, hatte für die Komponistenjubiläen eine entsprechende Programmfolge konzipiert. Neben Robert Schumann, Frederic Chopin und Otto Nicolai war auch der älteste Bach-Sohn, Wilhelm Friedemann Bach, vertreten. Dass in diesem Zusammenhang geradezu zwangsläufig die Bearbeitung vom Original auf ein anderes Instrument, hier die Transkription für Orgel im Vordergrund stand, konnte nicht ausbleiben. So wurde das Konzert zu einem besonderen musikalischen Erlebnis.

Baumgratz eröffnete seinen Vortrag mit der „Dorischen“ Toccata und Fuge BWV 538 von Johann Sebastian Bach. Zwischen beide Sätze hatte eine der einzeln überlieferten Choralbearbeitungen Bachs „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ BWV 720 gestellt. So entstand quasi die Form des italienischen Konzerts. In der Toccata und in der Fuge waren Spielfreude und spätbarocke Gravität gut ausbalanciert und die Durchhörbarkeit des polyphonen Stimmengeflechts stets gewährleistet.

Zum 300. Geburtstag von Wilhelm Friedemann Bach erklangen die Choralbearbeitungen „Jesu, meine Freude“ und „Was mein gott will, das gescheh’ all’zeit“. Baumgratz’ Wiedergabe ließ einen Hauch von der Zerrissenheit des ältesten Bach-Sohnes als verkanntes Genie erspüren, das an den gesellschaftlichen Zwängen seiner Zeit scheitert.

Robert Schuhmann hat eigentlich keine Werke für die Orgel geschrieben. Seine „Vier Skizzen“ op 58, die Baumgratz zu Gehör brachte, waren für das damals in Mode gekommene Pianoforte mit Pedalklaviatur, den Pedalflügel, bestimmt. Da nun solche Instrumente heute mehr als rar sind, liegt die Übertragung auf die Orgel nahe. Dabei eine klanglich adäquate Klangsprache zu finden, setzt eine entsprechende Orgel voraus, die dem romantischen Höhenflug folgt. Mit der Lobback-Orgel in St. Gertrud hatte Baumgratz ein vorzügliches Medium gefunden. Ausdruck, Agogik, Expressivität gepaart mit ausgesuchten Klangfarbenmischungen waren penibel abgestimmt.

In den Salons oder in der Hausmusik, aber auch bei Konzerten hatte die Transkription im 19. und frühen 20. Jahrhundert Hochkonjunktur. Kaum ein anderer wie Franz Liszt hatte es dabei zum unangefochtenen Meister gebracht. So schrieb Liszt auch die Preludes e-Moll und E-Dur aus op. 28 von Frederic Chopin um. Was schon für vier Schumann-Skizzen zutrifft, zeigte Baumgratz einen konsequenten Gestaltungswillen. Einerseits der seraphische Hauch im e-moll-Prelude und andererseits die majestische Strahlkraft im E-Dur-Prelude.

Otto Nicolai schrieb als Auftragswerk zum Jubiläum der Universität Königsberg 1844 die kirchliche Fest-Ouvertüre über den Choral „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ für Chor, Orchester und Orgel – Franz Liszt schuf eine Fassung für Orgel solo. Ihre Faktur steht der Choralsonate Mendelssohn Barthioldys und der Choralfantasie Töpfers näher, als den „sinfonischen“ Dichtungen für Orgel von Liszt, Reubke und Reger. Diesen Aspekt hatte Baumgratz im Sinn. Bei allem romatischen Jubel dominierte das Leichte und Transparente, gerade in pathetischen Passagen.

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