Lohne - Es können vermeintliche Kleinigkeiten sein, wie das Lesen des Stundenplans oder allgemeine Verhaltensregeln, ohne die der gemeinsame Schulalltag nicht funktionieren kann. Flüchtlingskinder, die in Deutschland zur Schule gehen, sehen sich gerade zu Beginn besonderen Heraus- und Anforderungen gegenübergestellt. Um ihnen das Ankommen zu erleichtern, haben nun Lehrer der Realschule Lohne, die syrische Familie Mukdad, Integrationshelfer sowie die Firma Buch-Konzepte einen Schulplaner speziell für Flüchtlinge entwickelt. Das bislang bundesweit einzigartige Konzept stellten sie am Freitag in Lohne vor.

Cedric Liebrum hat selbst einige Flüchtlingskinder unter seinen Schülern. Manche von ihnen seien zu Fuß nach Deutschland gekommen und lange nicht zur Schule gegangen, erzählte der Schulleiter der Realschule Lohne. Viele sprechen kein Wort Deutsch. Ein normaler Schulplaner, ist er sich mit Kollegin Cornelia Roth einig, hätte den Kindern nicht weitergeholfen. Alle Informationen in dem Willkommensplaner sind entsprechend in drei Sprachen verfasst: Deutsch, Englisch und Arabisch.

Ahmad Mukdad steuerte die arabische Übersetzung bei. Seit über einem Jahr lebt er mit seiner Familie in Deutschland. Seine Frau Ibtisam arbeitete zuvor in Syrien selbst als Lehrerin. „Die Zusammenarbeit mit der Familie Mukdad und der Schule war ganz wichtig für uns, um den Planer auf den Weg zu bringen“, betonte Anna Lücking von der Firma Buch-Konzepte, ein Tochterunternehmen der Druckerei Rießelmann. Immer wieder wurde gemeinsam überlegt: Welche Informationen brauchen die Flüchtlingskinder und ihre Erziehungsberechtigten wirklich? Was kann man weglassen?

Schule funktioniere in Deutschland anders, erklärte Elisabeth Ali. Hierzulande gehe es nicht nur um die reine Wissensvermittlung, auch Kreativität sei gefragt. Das sehe in manchen Ländern anders aus, betonte die Lohnerin, die selbst mit einem Ägypter verheiratet ist. Ebenso könne die enge Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schülern und Schulen vielen Flüchtlingen befremdlich erscheinen.

Der rund 150 Seiten starke Planer kann schulübergreifend und bundesweit genutzt werden. Bestellungen liegen vor und werden in Kürze ausgeliefert. Anfragen kommen aus anderen Teilen der Bundesrepublik. „Das Interesse ist riesig“, sagte Lücking.