Dangast - Im Kapuzenpulli, in kurzer Sporthose und mit verspiegelter Sonnenbrille kommt Siemtje Möller entspannt über den Parkplatz zum Schöpfwerk in Dangast geschlendert. Die Befürchtung, dass es eine stocksteife Laufrunde, angereichert mit politischen Themen, werden könnte, zerstreut sich schnell. Denn die 39-Jährige und ich finden umgehend ein gemeinsames Gesprächsthema: die Studienzeit. Wir waren beide in Göttingen und können uns gut über Kneipen, Partys und vor allem Sport austauschen. Das Wetter ist perfekt. Die Sonne strahlt an einem azurblauen Himmel, der Blick vom Schöpfwerk geht weit über den Jadebusen. In der Ferne ist Wilhelmshaven zu sehen. Die Kulisse könnte kaum schöner sein. Nach einem kurzen Plausch laufen wir los.
Schwierigkeitsgrad: Die Laufstrecke kann flexibel angepasst und erweitert werden. Eine kurze Runde ist nach fünf Kilometern beendet, wer es länger mag, kann sogar von Dangast bis nach Wilhelmshaven (10,6 Kilometer bis zum Banter See) durchlaufen. Somit ist der Kurs für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet.
Parkplätze Ein kostenpflichtiger Parkplatz ist an der Sielstraße verfügbar. Von hier aus sind es nur ein paar Meter bis zum Start der Laufstrecke am Schöpfwerk.
Boden Die Laufstrecke führt über Deichsicherungswege, bestehend aus Betonplatten. Achtung: Schafe kreuzen und sorgen mit ihren Hinterlassenschaften für die eine oder andere Trittfalle.
Schafe säumen den Wegesrand
Höhenmeter sind im Norden nur wenige zu erwarten. Wer ein bisschen bergauf oder bergab laufen möchte, muss sich hierzulande mit dem Deich behelfen. Ansonsten gilt der Leitsatz: Der Wind ist das Gebirge des Nordens. Aber nicht mal der hat an diesem schönen Tag Lust, zu wehen. Wir können Schwung nehmen. Die Strecke vom Schöpfwerk führt ein Stück hinunter auf den Deichsicherungsweg. Den kleinen Hafen und den Dangaster Privatstrand mit dem berühmten Phallus lassen wir rechts liegen. Bäume und Schatten gibt es auf der Laufstrecke hier nicht. Dafür jede Menge Schafe, die uns träge vor sich hin kauend hinterherschauen. Wo Schafe sind, gibt es auch ihre Hinterlassenschaften. Und die sorgen hier und da für einen kleinen Zick-Zack-Kurs.
Natur genießen, Dinge im Kopf gerade rücken
Um 10 Uhr morgens sind wir auf der Strecke noch relativ alleine. Erst auf dem Rückweg tauchen die ersten Spaziergänger und Fahrradfahrer auf, mit denen wir uns dann den Weg teilen müssen. Dreimal pro Woche läuft Siemtje Möller. Am Deich kann sie den Blick weit stellen.
Siemtje Möller (SPD) ist Mitglied des Bundestags und seit dem 8. Dezember 2021 Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin der Verteidigung.
Die 39-Jährige wohnt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Varel, lebt zeitweise aber in Berlin, wo sie auch eine Zweitwohnung besitzt.
Die gebürtige Ostfriesin wuchs in Emden und Oldenburg auf, hat an der Georg-August-Universität in Göttingen Französisch, Spanisch und Politik studiert. Anschließend war sie als Lehrerin in Braunschweig, Berlin und zuletzt am Neuen Gymnasium in Wilhelmshaven angestellt.
Die Liebe zum Laufen hat sie in ihrer Studienzeit entdeckt und erste Runden auf dem Stadtwall rund um die Innenstadt von Göttingen gedreht. Davor war sie beim Handball und Rudern aktiv.
„Beim Laufen ist es für mich dann, als ob ich einen Schrank, der schief steht, wieder gerade rücke, die Schubladen einräume und wieder hineinschiebe“, erklärt sie. Dann sei sie ganz bei sich, könne aber auch die Schönheit der Natur genießen. Und die gibt sich an diesem Donnerstagmorgen wirklich Mühe. Wir folgen dem Deichsicherungsweg, das Wasser der Nordsee ist spiegelglatt. Ein scharfer Rechtsknick und schon geht es weiter geradeaus. Nach 2,5 Kilometern kommt ein kleines Metalltor. Von hier aus bieten sich nun zwei Optionen: weiterlaufen oder auf der anderen Seite, im Deichvorland, die Rücktour antreten. Für Siemtje Möller wäre es kein Problem, weiterzumachen, denn es ist durchaus möglich, bis Wilhelmshaven durchzulaufen. Nach 6,5 Kilometern wäre Cäciliengroden erreicht, am Jade-Weser-Airport vorbei könnte nach 9,5 Kilometern nach rechts am Deich entlang zum Banter See weitergelaufen werden. Wer insgesamt 10,6 Kilometer durchhält kommt schließlich am Westzipfel in der Benzstraße an.
Fit für den Arbeitstag im hektischen Berlin
Heute aber entscheiden wir uns für die Rückkehr. Die Achillessehne der Bundestagsabgeordneten zwickt ein wenig. Und ich bin dankbar, denn mein konditioneller Zustand ist, freundlich formuliert, ausbaufähig. Dabei ist Siemtje Möller durchaus eine ambitionierte Sportlerin. Den Ossiloop ist sie schon mitgelaufen, auch beim Jever-Fun-Lauf war sie bereits dabei. „Ich möchte die zehn Kilometer gerne unter 50 Minuten schaffen“, verrät sie. Wenn sie in Berlin ist, ist das Laufen für sie allerdings eher ein Mittel zum Zweck. Morgens um 6 Uhr schnürt sie dort die Laufschuhe. Wie viele Kilometer es dann werden, hängt von Lust und Zeit ab. „Ich brauche das Laufen aber, danach fühle ich mich fit für den Arbeitstag.“ Und der kann im hektischen Berlin durchaus lang werden und erst in den frühen Morgenstunden enden.
Schöpfwerk ist Start- und Zielpunkt des Laufs
Noch einmal geht es ein kleines Stückchen den Deich bergauf, dann kommen wir wieder an unserem Startpunkt, dem Schöpfwerk, an. Wer mag, kann jetzt sogar noch zur Abkühlung ein Bad in der Nordsee nehmen. Das überlassen wir dann aber doch lieber den Strandgästen.
