Dykhausen - Renke Röben blieb gar nichts anderes übrig, als frühzeitig zum Schwimm-Ass zu werden. Die Entscheidung war nicht freiwillig und schon gar nicht selbstbestimmt – seine Eltern, Ulrike Oncken-Röben und Axel Röben entschieden nicht nur, wohin sich der Sohn entwickeln sollte, sondern auch, dass es gar keine andere Möglichkeit gäbe.
So autoritäre Eltern gibt’s heute nicht mehr oft. Und auch im Hause Röben gelten normalerweise demokratische Regeln. „Aber nicht, wenn’s ums Schwimmen geht“, sagt Mutter Ulrike bestimmt. Das habe man bei den älteren Geschwistern so gehandhabt und das gelte auch für den jüngsten Spross Renke. Der Grund dafür: Die Familie lebt in direkter Nachbarschaft zum Ems-Jade-Kanal in Dykhausen. Wer da mit einigermaßen Ruhe seine Kinder im Garten spielen lassen wolle, dem bliebe gar nichts anderes übrig, als ihnen frühzeitig beizubringen, wie sie sich im Ernstfall verhalten müssten. Der Ernstfall – also das unfreiwillige Eintauchen oder Abrutschen ins Wasser ist zwar nie passiert. Dafür aber ist Renke eine Wasserratte geworden.
Kaum, dass der heute 13-Jährige einen Fuß vor den anderen setzen konnte, gab’s für alle ausrangierte Turnschuhe an die Füße und dann ging es mit Mama und Papa im Sommer ab in den Kanal. Ob das erlaubt war oder nicht, war völlig einerlei, denn alle taten das und die Kinder der Anlieger sind hier auch jeden Sommer wieder beim Planschvergnügen anzutreffen.
Einiges war lästig
Und so wundert es nicht, dass Renke Röben zu den Jüngsten gehörte, die bei Schwimmmeister Cord Eilers im damaligen Aqua Toll ihr Seepferdchen-Abzeichen ablegten. Weiter ging’s dann im VfL Wilhelmshaven, es folgte ein Abzeichen nach dem anderen. „Es gibt ja Altersbeschränkungen, das war ziemlich lästig, aber es nützte ja nichts, die müssen ja eingehalten werden“, erzählt Renke.
Nach dem Jugendschwimmabzeichen in Gold mit neun Jahren wechselte er zu den Leistungsschwimmern in der SG Wilhelmshaven. Ganz schön hart, denn das bedeutet vier Mal pro Woche Schwimmtraining. Unzählige Wettkämpfe hat er seitdem bestritten, trainierte eine Zeit lang zwei Mal die Woche zusätzlich in Oldenburg für den Landeskader, nahm am Auswahlschwimmen für das Talentfest teil und so weiter. Am Ende wurde es doch etwas viel.
Schule läuft nebenbei gut
Mittlerweile hat sich das Training eingependelt, vier Mal die Woche geht’s in Wilhelmshaven ins Becken, Training im A-Kader, wo er zu den Jüngsten gehört. Der Trainingsrhythmus lässt sich mit der Schule gerade so vereinbaren. „Ich habe Glück, die Schule läuft bei mir ganz gut nebenbei“, meint der 13-Jährige schmunzelnd. Sein Lieblingsfach? Klar, Sport natürlich. „Und Mathe und Deutsch sind auch ganz okay“, erzählt der Schüler der IGS Nord in Schortens, dessen Wochenenden oft von Wettkämpfen bestimmt sind. Ob er ehrgeizig ist? „Auf jeden Fall, ich setze mir immer wieder neue Ziele und wenn ich die Zeit verbessern kann, das ist schon cool“, sagt er.
Bereits 40 Medaillen
Am liebsten ist Renke Röben mit 50 Metern Freistil unterwegs, das Kraulen mag er dabei am meisten. Rund 40 Medaillen hängen in seinem Zimmer, außerdem hat er zwei kleine Pokale geholt und Urkunden – „Damit könnte ich mehr als das ganze Zimmer tapezieren“, sagt er und erzählt, was viele nicht wissen: Ein Profischwimmer steigt nicht einfach in die Badehose aus dem nächsten Sportshop. „Die Hose ist aus Carbon, die Preise gehen so bei 350 Euro los und es dauert auch schon mal 20 bis 30 Minuten, bis man das Ding richtig anhat.“
Dass nicht mehr viel Zeit zum „Chillen“ bleibt, macht ihm nichts. „Rumhängen ist ohnehin nicht so meins“, sagt er und lacht. Er freut sich, dass seine Eltern ihn unterstützen, ihn ganz selbstverständlich begleiten oder Fahrdienste übernehmen.
Während der Saison beteiligt sich Renke Röben außerdem aktiv an Boßelwettkämpfen, gehört zum KBV „Lütt End Dykhausen“, geht gerne zum Angeln oder hilft seinem Großvater auf dessen Hof mit rund 300 Milchkühen und etwa 200 Pferden. Sein späteres Berufsleben sieht er übrigens wahrscheinlich „irgendwo in der Landwirtschaft oder im Landschaftsbau – schwimmen wird wohl mein Hobby bleiben“ – wenn er es sich nicht noch anders überlegt.
