Sande - Die Hoffnung stirbt zuletzt – Es ist eine altbekannte und häufig genutzte Redewendung, doch sie trifft die Stimmung beim Eishockey-Regionalligisten ECW Sande auf den Punkt. Der Saisonstart ist aufgrund der Auswirkungen der Coronapandemie immer weiter nach hinten geschoben worden und noch immer steht nicht fest, wann und ob es eine Eishockeysaison 2020/21 geben wird. Nach den neusten Informationen setzt der Verband den regulären Spielbetrieb mindestens bis zum 10. Januar 2021 aus, somit ist schon rechnerisch keine reguläre Saison mehr möglich. Auf- sowie Abstiegsregelung sind außer Kraft gesetzt, jedoch sagt der Verband eine Saison noch nicht komplett ab. Er behält sich vor, die Situation weiter zu beobachten und dann zu reagieren. Der ECW um den Sportlichen Leiter Nick Hurbanek will trotz allem positiv bleiben und hofft weiterhin auf einen Saisonstart im Januar.
„Wir wollen spielen. Wir haben immer noch Hoffnung, dass wir im Januar spielen dürfen und dann eine verkürzte Saison stattfindet“, stellt Hurbanek klar. Dabei wünscht er sich dies vor allem für den Nachwuchs. Die erwachsenen Spieler und auch die Neuzugänge kämen irgendwie klar, sagt er. „Die haben alle einen Job und würden das überstehen auch wenn es natürlich schade wäre, aber für die Kinder würde das sehr schwer werden.“ Sollte es keine Saison geben, würden die Jugendlichen eineinhalb Jahre nicht auf dem Eis stehen und spielen können. Die Sorge der Jadehaie, der Nachwuchs könne schwinden und die Kinder sich anderen Hobbys zuwenden, ist groß.
Situation in der Halle
Während bei den Salzgitter Icefighters bereits die Eishalle abgetaut wurde, wird sie in Sande daher noch auf Stand-by gehalten. Das bedeutet, das Eis ist nicht abgetaut, sondern wird nur noch bei minus ein Grad bis null Grad gehalten. „In Harsefeld wird das genauso gemacht. Innerhalb weniger Stunden kann so die Halle direkt wieder hochgefahren und spielbereit gemacht werden“, berichtet der Sportliche Leiter. Das Problem vieler Vereine ist, dass sie von den Eishallenbetreibern abhängig sind. Sollte dieser sich entscheiden die Halle abzutauen, hat der Verein kein Mitbestimmungsrecht und kann dann keinen Eishockeysport anbieten. „Die Vereine wollen alle spielen. Wenn aber die Halle der Stadt gehört und diese anordnet sie zu schließen, dann kann der Verein nichts machen“, fasst Hurbanek zusammen.
Der ECW hat Glück, denn die Eishalle in Sande befindet sich in Privatbesitz. Hallenbetreiber Witalij Saitz denkt gar nicht daran, die Halle abzutauen. „Wir warten bis zum 10. Januar auf die Ansage der Regierung. Eher haben wir nicht vor, das Eis abzutauen“, erklärt Saitz. Die Kosten seien noch tragbar, auch wenn es schon enorme Einnahmeverluste gäbe. Die angeordnete Schließung der Eishalle trifft ihn, hatte doch er viel Arbeit in ein Hygienekonzept gesteckt und die Auflagen immer eingehalten. „Der Staat hat uns Unterstützung zugesichert, doch wie das abläuft, wann und wie viel Förderung wir bekommen, das haben sie nicht gesagt.“ Saitz hofft noch auf das Geschäft über die Feiertage. Das sei die Hauptsaison.
Nachwuchssorgen
Doch viel wichtiger als der finanzielle Aspekt, ist ihm der Sport an sich. „Ich habe einen Sohn, der seit Jahren begeistert Eishockey spielt. Ihm fehlt der Sport und es gibt keine Alternativen derzeit. Ich will nicht, dass die Kinder den Spaß an diesem Sport verlieren. Davor habe ich am meisten Angst“, erzählt der Hallenbetreiber. Bis Ende April würde er die Halle daher jederzeit wieder hochfahren, selbst wenn er sie zwischendurch ganz abtauen müsste. Das wäre es ihm wert. „Finanziell werden wir das irgendwie überleben, aber um die Menschlichkeit, die Gemeinschaft, darum mache ich mir Sorgen.“
Damit spricht er Nick Hurbanek aus der Seele. Selbst wenn es keinen Ligaspielbetrieb geben sollte, sind sich beide Männer einig: Zumindest die Kinder sollen auf dem Eis stehen. „Und wenn wir nur neun bis zehn Freundschaftsspiele mit den Kindern machen können, Hauptsache die Kleinen können auf dem Eis stehen und mit dem Puck spielen“, bringt Hurbanek seine Wünsche zum Ausdruck.
