Friesland/Ostfriesland - Was andere Sportarten bereits hinter sich haben, steht den Fußballern noch bevor. Weiterspielen oder Saisonabbruch? In Niedersachsen haben sich die 33 Fußballkreise in der vergangenen Woche mehrheitlich gegen den Plan des Landesverbandes ausgesprochen. Der Niedersächsische Fußballverband (NFV) hatte vorgeschlagen, die laufende Saison angesichts der Coronakrise einzufrieren und sie ab dem Zeitraum 15. August bis 1. September fortzusetzen – sofern es nach den staatlichen Verfügungen möglich ist. Die anschließende Abfrage in den Kreisen machte dem Vorhaben des Verbands aber ein Strich durch die Rechnung. Denn von den 1649 Clubs, die ihre Meinung abgaben, stimmten mit 1119 fast 70 Prozent dagegen. 448 Vereine sprachen sich derweil für den Vorschlag des NFV aus, während sich 83 enthielten. Auch die beiden Fußballkreise Ostfriesland und Jade-Weser-Hunte hatten gegen den Vorschlag des NFV gestimmt.
Die Erfahrungen, Eindrücke und Aussagen, die die Kreisvorsitzenden im direkten Austausch mit den Vereinen gesammelt haben, waren Gegenstand der telefonischen Verbandssitzung am Freitag. Dabei zeigte sich, dass bei den Vereinen ein denkbar unterschiedliches Meinungsbild mit einer Vielzahl von Vorschlägen und Szenarien vorherrscht. „Diese werden wir jetzt sortieren, intensiv erörtern und zu einer überschaubaren Anzahl von konkreten Vorschlägen zusammenfassen“, sagte der Präsident des NFV, Günter Distelrath, am Freitag. Dabei würde sich der Verband weiterhin an den behördlichen Entscheidungen orientieren, heißt es. „Wir müssen sehen, welche Anordnungen für Niedersachsen wirksam werden. Diese berücksichtigen wir natürlich bei unseren Überlegungen“, erklärte Distelrath weiter. An diesem Dienstag kommt der Verbandsvorstand erneut zusammen, um über die weitere Vorgehensweise zu beraten.
Indes hat der Vorstand des Bayerischen Fußballverbandes (BFV) am vergangenen Mittwoch als erster Landesverband in Deutschland für seine Spielklassen genau jenes Einfrieren und die Fortsetzung der Saison ab Herbst beschlossen – über zwei Drittel der Vereine Bayerns hatten das laut einer Befragung unterstützt. „Wir wollen den fairen Wettbewerb und Entscheidungen auf dem Platz – nicht am grünen Tisch“, hatte BFV-Präsident Rainer Koch bereits im Vorfeld für die Idee geworben, die nun in Bayern Wirklichkeit wird. Dieses Modell wird auch von den Landesverbänden Mittelrhein, Hessen und dem Südwestdeutschen Fußballverband favorisiert.
Anders sieht es wiederum in Westfalen aus: Hier hat mit 88 Prozent die Mehrheit der Vereine für einen Abbruch der Saison gestimmt. Ähnlich sieht es in Sachsen, Rheinland und Brandenburg aus. Andere Fußballverbände wollen sich dagegen erst Anfang Mai äußern. Bleibt also abzuwarten, welche Entscheidung jeder Landesverband am Ende für sich treffen wird. Eines steht aber schon jetzt fest: Fußball-Deutschland droht ein Flickenteppich.
