Friesland - Ein Vorstoß von Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) bringt neue Unruhe ins Sportvereinsleben und lässt Eltern wie Vereinsverantwortliche ins Grübeln kommen. Weil hatte am vergangenen Samstag gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung angekündigt, Corona-Ausnahmen von 2G-Regeln für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren mit Beginn des neuen Jahres zu beenden. „Darauf wird es nach jetzigem Stand hinauslaufen“, sagte er dem Blatt.
Aktuell sind Kinder und Jugendliche noch von der 2G-Regel ausgenommen. Bei den bisherigen Ausnahmen sei stets berücksichtigt worden, dass diese Gruppe erst deutlich später eine Impfempfehlung bekommen habe, als die Erwachsenen, sagte Weil. Doch mittlerweile hätten sich alle impfen lassen können. „Wir brauchen gerade mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen mit der Omikron-Variante eine möglichst hohe Impfquote bei den Jugendlichen, bei denen wir derzeit hohe Infektionszahlen verzeichnen.“
Der Kinderschutzbund Niedersachsen und die Grünen kritisieren die geplante Ausweitung der 2G-Regel auch für Kinder ab zwölf Jahren. Sie dürften nicht die Impf-Entscheidungen ihrer Eltern ausbaden. „Die Maßnahme ist unverhältnismäßig und schließt fast die Hälfte der Altersgruppe weitgehend vom sozialen Leben aus. Sie kommt einem Freizeit-Lockdown gleich“, sagte der sozialpolitische Sprecher der niedersächsischen Grünen, Volker Bajus, gegenüber dem NDR.
Bei den hiesigen Sportvereinen sorgt der neue Ansatz nicht unbedingt für Aufruhr, tief Luftholen muss der Vorsitzende des TuS Glarum, Reinhard Milter, aber dennoch. „Wir müssten das im Verein prüfen. Einige sind sicherlich schon geimpft“, erklärt er mit Blick auf die etwa 150 Kinder und Jugendlichen im TuS Glarum. Nicht alle von ihnen fallen in diese Gruppe. In der ohnehin durch Corona umfangreicheren Verwaltungsarbeit der Vereine würde dennoch ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Und das in einer Zeit, in der die Briefkästen der Clubs sich ohnehin schon mit Kündigungen der Mitglieder, die sich in der Ausübung ihres Sports eingeschränkt sehen, immer mehr füllen. Die Angst, dass eine neue Kündigungswelle über die Sportvereine hinweg rollt, ist konkret.
„Wir müssen die Lage bewerten, wenn es tatsächlich soweit ist“, sagt Reinhold Fischer, Vorsitzender des Heidmühler FC. Generell sei der Aufwand für Kontrolle und Protokollierung jetzt schon immens. „Wir müssen ja fast schon eine Stunde früher in die Halle. Eigentlich hatten wir gehofft, dass es nach den Ferien besser wird.“
