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Masterplan Inklusion Der lange, steinige Weg zum „Sport für alle“

Friesland/Wittmund - „Jeder, der bei uns Sport treiben möchte, ist herzlich willkommen.“ Das Gespräch mit vielen Vereinsfunktionären in den vergangenen Monaten hat gezeigt, dass Friesland bereit ist für Inklusion. Keiner soll ausgeschlossen werden, jeder ist willkommen. Das klingt zunächst einmal sehr lobenswert, aber zu Ende gedacht ist diese Einstellung in vielen Fällen nicht. Explizit ausgedrückt und beworben wird sie nämlich zumeist nicht. Sind die Gegebenheiten im Verein überhaupt dafür ausgelegt, Menschen mit Behinderung die Teilhabe zu gewährleisten, die sie verdienen und möchten? Sind Trainings- und Veranstaltungsorte barrierefrei? Sind Übungsleiter darin geschult, die Bedürfnisse dieser Mitglieder ins Sporttreiben mit einzubeziehen? Ist die Internetseite auch für sehbehinderte Menschen konsumierbar oder gibt es eine Version in Einfacher Sprache? Sind in haupt- oder ehrenamtlichen Positionen beeinträchtigte Menschen, die ihre Ideen einbringen und bei Entscheidungsprozessen vertreten?

In vielen Fällen lautet die Antwort „Nein“. Hier wartet noch sehr viel Arbeit, für die es jetzt aber einen Fahrplan gibt. Der Landessportbund (LSB) Niedersachsen hat zusammen mit dem Behinderten-Sportverband Niedersachsen (BSN), dem Gehörlosen-Sportverband Niedersachsen (GSN) und den Special Olympics Niedersachsen (SO NDS) den „Masterplan Inklusion“ auf den Weg gebracht. 28 konkrete Ziele, eingeteilt in elf Handlungsfelder, sollen die Verwirklichung der gleichberechtigten Partizipation von Menschen mit und ohne Behinderung an den Leistungen des Sports und den Entscheidungen im Sport gewährleisten.

Dass so etwas nicht von heute auf morgen umsetzbar ist, steht außer Frage. Im September 2018 ist der Startschuss für das Projekt gefallen, damals wurde die Vereinbarung zwischen den genannten niedersächsischen Verbänden getroffen, Barrieren abzubauen und neue Rahmenbedingungen und Strukturen zu schaffen. Im Januar 2019 wurde der Arbeitsausschuss „Masterplan Inklusion im niedersächsischen Sport“ einberufen, der die Handlungsfelder erarbeitete, Ziele und einen Zeitrahmen für das Projekt feststeckte, nämlich von 2020 bis 2023.

In diesen drei Jahren sollen mehr als zwei Millionen Euro in die Arbeit am Masterplan Inklusion fließen – anschließend sind die Sportvereine, Landesfachverbände und Sportbünde gefragt. Bis 2030 sollen sie sich so weiterentwickeln, dass alle Menschen gleichberechtigt mitwirken können – als Sporttreibende, Ehrenamtliche, Freiwillige oder Hauptberufliche.

Die Mitarbeiter des Arbeitsausschusses geben sich alle Mühe, ein solides Grundgerüst aufzubauen, auf dass sich die Vereine nachher stützen können. Dabei geht es um Geld, Kommunikation, Barrierefreiheit, Ausbildungsangebote – um nur einige zu nennen. Am Anfang steht für Vereine oft die Frage der Kommunikation. Woher bekomme ich Informationen? Wer ist zuständig? Gibt es überhaupt einen Ansprechpartner zum Thema Inklusion? Der Landessportbund hat es sich im Masterplan unter anderem auf die Fahnen geschrieben, einen Newsletter einzurichten – unter redaktioneller Beteiligung von Menschen mit Behinderung und in Einfacher Sprache.

Auch hier nehmen die Initiatoren des Projekts eine Vorbildfunktion ein – Menschen mit Behinderung sind von Beginn an in die Arbeit und ihre Entscheidungen mit eingebunden. Auch in den Vereinen und Fachverbänden sollen die Partizipationsmöglichkeiten zunehmen. Das ist sicher kein einfaches Unterfangen, allerdings lässt der LSB auch hier niemanden im Regen stehen. Etwa 80 systemische Berater sind in den vergangenen Jahren ausgebildet worden, sie sollen die Möglichkeit auf eine Fortbildung „Inklusion im Sport“ bekommen und anschließend entsprechende Vereinsentwicklungsprozesse begleiten können. Der Aufruf an die Vereine und Verbände lautet hier: Niemand muss sich scheuen, Hilfe und Beratung in Anspruch zu nehmen.

Überhaupt muss an der Basis der Wille gegeben sein, Inklusion umzusetzen. Um für das Thema weiter zu sensibilisieren, strebt die Arbeitsgruppe an, Inklusion als festen Bestandteil in die Übungsleiterausbildung der Landesfachverbände aufzunehmen. Eine spartenunabhängige Grundinformation von zwei bis vier Lerneinheiten wäre laut Masterplan wünschenswert. Darüber hinaus soll ein eigenes Qualifix-Seminar geschaffen werden. Bereits in diesem Jahr sollen fünf derartige Veranstaltungen stattfinden.

Die Liste der guten Vorsätze und Anregungen ist lang, die Arbeitsgruppen arbeiten auf Hochtouren an der Umsetzung der 28 Ziele. Unten sind diese Ziele aufgeführt, wer weiter ins Detail gehen möchte kann den 83-seitigen Masterplan auf der Homepage des LSB runterladen unter diesem Link.

Masterplan Inklusion: Elf Handlungsfelder mit 28 strategischen Zielen

H 1: Verbandskultur 1. Gestaltung innerverbandlicher Entscheidungsprozesse durch Stärkung der Vertrauenskultur2. Vorrangfinanzierung inklusiver Projekte3. Fortlaufende Erkundung relevanter Fragestellungen4. Barrierefreie Darstellung der Verbandsarbeit

H 2: Angebote5. Flächendeckende Etablierung inklusiver Sport-, Spiel- und Bewegungsangebote6. Partizipation an Vereinsentwicklungsprozessen7. Verbesserung der inklusiven Gestaltung von gemeinsamen Veranstaltungen des organisierten Sports8. Ausbau inklusionsgerechter Programme

H 3: Strukturen9. Steigerung der Ausübung von Ehrenämtern10. Einführung eines Qualitätsmanagementmoduls

H 4: Qualifikation11. Steigerung der inklusiven Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote12. Integration des Moduls „Inklusion im Sport“ innerhalb der Übungsleiter-Ausbildung der Landesfachverbände13. Aufbau eines Qualifix-Seminar „Inklusion“

H 5: Barrierefreiheit/
Zugänglichkeit
14. Ergänzung der Richtlinie zur Förderung des Sportstättenbaus zur Umsetzung von Barrierefreiheit15. Erstellung einer Checkliste zur Steigerung der Zugänglichkeit für inklusive Veranstaltungen16. Förderprogramm zur Etablierung barrierefreier Kommunikation17. Dokumentation von Best-Practice-Beispielen

H 6: Kooperationen18. Intern: Vereinbarung von Standards der Zusammenarbeit der Verbände19 a. Extern: Verbesserung der Netzwerkarbeit mit anderen Organisationen auf Landesebene19 b. Intern: Verbesserung der Netzwerkarbeit vor Ort

H 7: Lobbyarbeit20. Regelmäßige Auslobung des Inklusionspreises Niedersachsen in der Kategorie Sport21. Etablierung einer Vertretung inklusiver Anliegen für Menschen mit und ohne Behinderung in Sportbünden und Landesfachverbänden

H 8: Kommunikation22. Entwicklung einer inklusionsorientierten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit23. Erstellung von Netzwerkverteilern zur Verbreitung

H 9: Service/Beratung24. Entwicklung einer gemeinsamen Informationsplattform (Inklusionslandkarte)25. Aufbau von dezentralen Beratungskompetenzen

H 10: Ressourcen26. Entwicklung einer Fundraising-Strategie

H 11: Wissenschaft27. Aufbau einer wissenschaftsbasierten Evaluations- und Wirkungsforschung für ein Qualitätsmanagementsystem (QM-System)28. Initiierung von inklusiven Deversity Studies

Kathrin Kraft
Kathrin Kraft Sportredaktion, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung
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