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Spende Ein neues Zuhause für ein altes Fußballtrikot

Heidmühle - In der Kabine des Heidmühler FC am Klosterpark stapeln sich Kartons, Taschen und Tüten. Fabian Klische hat auf kleinen Zetteln fein säuberlich, handschriftlich notiert, was sich in ihnen befindet: Trikotsatz, Größe 128, Fußballschuhe, verschiedene Größen, Stutzen, Regenjacken, Fußbälle steht zu lesen. All das hat sich über Jahre beim HFC angesammelt, wurde ausgemustert, war aber viel zu schade, um es wegzuwerfen. „Ich habe schon lange überlegt, was wir damit machen könnten“, sagt der Jugendleiter des Heidmühler FC. Dann entdeckte er die Aktion „Trikot für die Welt“.

Idee entsteht auf einer Weltreise

Ins Leben gerufen wurde das Projekt 2018. Initiator des in Hamburg angesiedelten Netzwerks ist Bennet Polenz. Abitur, Studium, Berater-Karriere: Der Lebenslauf des gebürtigen Potsdamers ist geradlinig – bis 2016. Da nämlich kündigte der mittlerweile 31-Jährige seinen Job bei einem Verlag, packte seine Siebensachen und ging mit seiner Freundin ein halbes Jahr auf Weltreise. Die dort gesammelten Eindrücke legten den Grundstein für die Idee „Trikot für die Welt“, die benachteiligte Kinder und Jugendliche unterstützen soll. Auf seinen Reisen bemerkte Bennet Polenz nämlich die weltumspannende Begeisterung für Fußball und erkannte das Privileg der westlichen Welt, im Überfluss leben zu können. „Jeder Fußballer oder Fußball-Fan kennt es wahrscheinlich, dass sich über die Jahre hinweg der Kleiderschrank mit Trikots füllt, weil zum Beispiel Sponsoren wechseln oder bei Profi-Vereinen zur neuen Saison auch das neue Trikot auf den Markt kommt. Vieles davon wird nicht mehr benötigt, ist aber eigentlich zu schade dafür, einfach in einer Altkleiderbox zu landen. Da hängen Emotionen dran oder es war einfach immer auch recht teuer“, erklärt Tim-Ole Schlüschen. Der Mit-Organisator des Netzwerks ist der beste Freund von Bennet Polenz, stieg 2020 mit ein und ist mit vollem Herzen dabei.

Seine Augen beginnen zu leuchten, als er den „Schatz“ beim Heidmühler FC zu heben beginnt. Besonders freut er sich über die vielen Bälle, die er im geliehenen, etwas betagten Fahrzeug verstaut. Denn die werden in den Ländern, in denen das Projekt die Spenden verteilt, fast noch am dringendsten gebraucht. „Da spielen die Kinder teilweise mit zusammengebundenen Bananenschalen“, erzählt Tim-Ole Schlüschen. Die Trikot- und Fußballspenden sind bislang nach Kambodscha, Ghana, Thailand, Myanmar, Äthiopien und Griechenland – hier in ein Flüchtlingscamp – gebracht worden. Vor Ort arbeitet das Netzwerk mit etablierten Hilfsorganisationen zusammen – alles wird ehrenamtlich organisiert. Hier wird den Produkten ein zweites mitunter auch drittes Leben eingehaucht. „Das hat natürlich auch einen Nachhaltigkeitsaspekt und sorgt ganz nebenbei für viele Glücksgefühle bei den Kindern“, sagt Tim-Ole Schlüschen.

Aus zwei Mitarbeitern werden 40

Im Februar 2020 mussten sich die beiden Organisatoren angesichts der Pandemie-Lage zusammensetzen und beschlossen, das Projekt zu professionalisieren. Mit dem Entschluss, weitere Hilfsorganisationen mit einzubinden, änderte sich die Ausrichtung. Mit gespendetem Geld sollte nun auch die Bildung in den weniger entwickelten Ländern gefördert werden. Denn nur der kleine Glücksmoment durch ein gespendetes Trikot ändert nicht die Lebensperspektive für einen Menschen. Darum werden mittlerweile weniger größere Projekte gefördert anstatt viele kleine, wie zuvor. Aus zwei Mitarbeitern wurden während der Pandemie mehr als 40 in ganz Deutschland. Auch Bundesligaclubs spenden mittlerweile Trikots aus ihrem Bestand.

„Wir verstehen uns als Netzwerk aus Spendern, Botschaftern und Organisationen sowie Projekten, die wir mit unseren Spenden unterstützen“, sagt Tim-Ole Schlüschen. Mitmachen ist erlaubt, erwünscht und erhofft, macht er deutlich. „Jeder, der uns unterstützen mag, kann damit anfangen, uns bei Facebook, Instagram, Xing oder LinkedIn ein Like dazulassen. Darüber hinaus freuen wir uns über jedes nicht mehr benötigte Trikot, jeden Fußball, jede Hose und Paar Stutzen, jedes Paar Torwart-Handschuhe, Schienbeinschoner oder Fußballschuhe, solange sie gewaschen sind und man sie selbst noch tragen würde“, sagt er. Und wer Lust hat, das Team zu unterstützen, findet auf der Webseite von „Trikot für die Welt“ ein passendes Kontaktformular.

Thomas Van Lengen
Thomas Van Lengen Redaktionsleitung Sport, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung
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