Heidmühle - Divan Erkek ist ein ehrlicher Mensch. Was sein Ziel für die kommende Fußballsaison mit dem Heidmühler FC sei, frage ich. „Erstmal die sechs Kilo verlieren, die ich im letzten halben Jahr zugenommen habe“, gibt er zu. Allerdings blitzen die braunen Augen schelmisch, als er das sagt, und er schiebt noch hinterher: „Ich bin einfach Fußballer, ich will jedes Spiel gewinnen. Ziele muss der Verein vorgeben.“
Ehrlichkeit hat der 25-Jährige auch vor sechs Jahren bewiesen, was ihm damals eine Auszeichnung des Deutschen Fußballbundes (DFB) einbrachte. Divan Erkek erinnert sich noch, als wäre es gestern gewesen. „Das war mein erstes Herrenspiel, das weiß ich noch. Am Samstag habe ich noch in der A-Jugend gespielt, und Sonntag dann in der ersten Mannschaft“, berichtet er.
Sein Verein war damals der BV Bockhorn, Gegner im Bezirksligaspiel im April 2014 der TV Esenshamm. Beim Stand von 4:2 hatten die Friesländer einen Freistoß in aussichtsreicher Position zugesprochen bekommen, weil ein Esenshammer den Ball irrtümlich in die Hand genommen hatte. Er hatte geglaubt, die Partie sei wegen eines verletzt am Boden liegenden Mitspielers unterbrochen worden. Divan Erkek kickte den Ball damals uneigennützig zum Torwart und wunderte sich anschließend, warum alle anfingen zu klatschen und der Schiedsrichter ihm gratulierte. Sein Verhalten kam ihm selbstverständlich vor.
Auch als ein halbes Jahr später der Trainer auf ihn zukam und ihm von der geplanten Auszeichnung erzählte, fiel der damals 19-Jährige aus allen Wolken. „Warum? Was habe ich gemacht?“, fragte der junge Mann sich damals. Er hatte schlichtweg Fairness bewiesen.
Ob Fairness im Fußball oder soziales Engagement, Divan Erkek setzt sich gerne für andere Menschen ein. Seine Eltern stammen aus Ost-Anatolien, einer Gegend mit starkem IS-Einfluss. „Vor mehreren Jahren hat man in erster Linie über Videos im Internet mitbekommen, was da so losgewesen ist“, berichtet der junge Mann mit den kurdischen Wurzeln, und er wollte helfen.
Er organisierte zunächst ein Fußbalturnier, später ein Benefizkonzert, dessen Erlöse an die Organisation „Our Bridge“ gingen. Auch die Spendenhalle in Oldenburg war regelmäßiger Anlaufpunkt für Divan Erkek und seine Mitstreiter, es galt, Kleidung und Medikamente auf den Weg zu bringen, um Flüchtlingen im Nahen Osten zu helfen. Er weiß, dass sein Geld dazu gebraucht wurde, ein Waisenhaus im Irak zu bauen – ein gutes Gefühl.
Er traut sich auch zu, den Unterschied zu erkennen zwischen Flüchtlingen, die auf Hilfe angewiesen sind, und solchen, die nur profitieren wollen. „Man sieht, wer wirklich Hilfe braucht. Es gibt aber auch welche, die auf dem Weg einfach ihren Pass wegschmeißen.“ Auch hier geht es ihm um Ehrlichkeit und Gerechtigkeit. Seine Arbeit in der Papier- und Kartonfabrik in Varel sowie das Engagement in der Bar seines Bruders lassen aktuell nicht mehr viel Zeit für große Aktionen, das Interesse ist aber weiterhin da.
Ausgleich für den Job ist der Fußball. In Varel geboren und aufgewachsen verbrachte Divan Erkek die meiste Zeit seines fußballerischen Wirkens in Friesland, nur wenige Jahre kickte er in Oldenburg. Ein kurzes Intermezzo führte ihn vor fünf Jahren schon einmal zum Heidmühler FC, das Studium in Frankfurt ließ aber nicht viele Einsätze zu. „Die Zeit, die ich hier verbrachte habe, hat aber Spaß gemacht“, sagt er, daher fiel schon nach der Halbserie die Entscheidung, zur neuen Saison wieder das rote Hemd des HFC zu tragen.
