Heidmühle - Hanna Luks ist 92 Jahre alt. Wenn auf irgendjemanden der Spruch „Sport hält gesund“ zutrifft, dann wohl auf die Schortenserin. Sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Frauenturngruppe beim Heidmühler FC. Neun von ihnen gibt es noch, aber Hanna Luks ist die einzige von ihnen, die noch aktiv teilnimmt – seit 50 Jahren. Denn genauso lange gibt es die Frauengymnastik bereits beim Heidmühler Fußballclub. „Heute weiß ich erst zu schätzen, wie sehr ich von dem regelmäßigen Sport profitiert habe“, sagt Hanna Luks.

Das Jubiläum der Sparte beim HFC ist in diesen Tagen eher geräuschlos über die Bühne gegangen ist – keine geschliffenen Reden, kein Sektempfang, keine große Feier. Am 5. April war das halbe Jahrhundert voll. „Wir finden es sehr bezeichnend, dass so viele über 50 Jahre lang zur Stange gehalten haben“, sagt HFC-Geschäftsführer Peter Kühnl. Zu Gründungszeiten war das Angebot beim Heidmühler FC eher übersichtlich. Neben Handball und Kegeln existierte die namensgebende Fußballsparte. Den Spielerfrauen war es allerdings irgendwann nicht mehr genug, ihre Männer bei der Jagd nach dem runden Leder zu beobachten. Ein eigener Sport musste her. Die Fußballerfrauen traten an den damaligen Vorsitzenden Hermann Brocke mit dem Wunsch heran, eine Turngruppe gründen zu dürfen. Aus der Idee wurde schnell eine Erfolgsgeschichte. Schon zwei Monate nach der Gründung der Sparte waren 50 Frauen dort aktiv. Nach zwei Jahren waren es schon mehr als 70. Erste Übungsleiterin wurde Annemarie Hänke. Allein acht Frauengruppen für verschiedene Altersklassen sind es im Jahr 2021, auch wenn derzeit – pandemiebedingt – noch nicht allzu viel geschehen kann.

Der Grund für die große Resonanz ist sicherlich auch bei den engagierten Gruppenmitgliedern und Übungsleitern zu finden. Sabine Laube leitet heutzutage die Turnabteilung beim HFC, ist aber schon seit mehr als 30 Jahren dabei. Auch Hanna Luks hat bereits einige Ämter übernommen. Von der Betreuung bis zur Kassenwartin reichte ihr Tätigkeitsfeld. Mit 92 Jahren ist sie immer noch Gruppensprecherin. Der Sport fehlt ihr sehr. Aber es gibt Hoffnung. Denn mit steigenden Temperaturen wird der Klosterpark immer mehr zum Sportplatz für die Turngruppen, die sich schon lange nicht mehr rein auf den turnerischen Grundgedanken beschränken. Yoga, Rehabilitation, Jazzdance, Orientalischer Tanz oder Zumba sind nur einige Beispiele für Sportarten, die unter dem Dach der Turnsparte vereint sind. Die Turnfrauen im Alter von 30 bis 92 Jahren treffen sich auch außerhalb der Halle bzw. des neuen Gesundheitshauses am Klosterpark zu Wanderungen, Rad- und Bustouren sowie Freundschaftswettkämpfen und Feiern. Neulingen wird es nicht schwer gemacht, in den Gruppen Fuß zu fassen. Bewegen und Kommunikation lautet ein inoffizielles Motto.

„Wir sind eine große Kontaktschmiede“, sagt Hanna Luks und lacht. Die Sozialkomponente ist gerade im höheren Alter besonders wichtig. Darum wurde mit dem Gesundheitshaus am Klosterpark gerade für diese Zielgruppe eine barrierefreie Anlaufstelle geschaffen. Kleine gemütliche Räume und eine Teeküche sorgen hier für Wohlfühlambiente. Die Turnfrauen freuen sich nicht nur auf den Neubeginn. „Wir brennen darauf“, sagt Hanna Luks. Denn mehr als Telefonieren, um mit den anderen Gruppenmitgliedern in Verbindung zu bleiben, ist aktuell nicht drin.

Thomas Van Lengen
Thomas Van Lengen Redaktionsleitung Sport, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung