Schortens - Kurz vor Weihnachten hatten die Mitglieder des Heidmühler FC Post im heimischen Briefkasten. Der Vorsitzende des Schortenser Clubs, Reinhold Fischer, wollte sich bei ihnen bedanken. Der Lockdown trifft den Verein mit voller Härte. Viele Kurse mussten abgesagt werden, einiges findet seit Monaten überhaupt nicht mehr statt. Schweren Herzens sagte der HFC schon früh den Treff der „Alten Garde“ im Januar ab. Hier treffen sich immer viele altgediente Mitglieder, teilweise sogar aus der Gründerzeit im Jahr 1950, um über die Entwicklung des vergleichsweise jungen Clubs zu debattieren, Geschichten auszutauschen oder Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. „Das ist sehr schade, denn gerade der Austausch über sportliche Erfolge des Jahres und das gesellige Miteinander machen unseren Sport und unseren Verein liebenswert“, richtet er bedauernde Worte an die Mitglieder. Bei allem Verdruss, den das abgelaufene Sportjahr für die Vereine bereithielt, ist er dennoch optimistisch. „Wir stehen mit unseren Übungsleitern und Trainern viel in Kontakt, um zu überlegen, was wir machen können, unter Einbindung der äußeren Rahmenbedingungen. Es sind Konzepte gefragt, die auch sportartübergreifend funktionieren“, sagt der Vorsitzende. Und Sportarten hat der Heidmühler Fußballclub, abseits von Deutschlands Sportart Nummer eins, reichlich zu bieten.
Bowling und Billiard
Dabei fällt bei einem Blick ins Programm des HFC vor allem das auf, was es abseits der Klassiker, wie Turnen, Handball oder Tischtennis gibt und was nicht jeder Verein schon allein aufgrund der vorhandenen räumlichen Gegebenheiten bieten kann: zum Beispiel Bowling oder Billard.
Die Sparte Bowling existiert beim Heidmühler FC seit fast 40 Jahren. Mehr als 60 Mitglieder sind auf vier Damen- und vier Herrenmannschaften in verschiedenen Ligen von der Kreisstaffel über die Landesliga bis hin zur 2. Bundesliga vertreten. Jugendtraining, Einweisung in die Technik und Theorie wird hier neben dem eigentlichen Spielen vermittelt. „Mit dem Niedergang des Kegelns fing die Sparte bei uns an zu boomen“, erzählt HFC-Geschäftsführer Peter Kühnl. „Bei uns starten mittlerweile Bowlingspieler aus ganz Deutschland“, ergänzt Reinhold Fischer. Denn Bowlingbahnen gibt es nicht überall.
Das gibt’s nur beim HFC
Auch mit der Billardsparte hat der HFC ein Alleinstellungsmerkmal. Frieslandweit gibt es keinen Club, der diese Sportart anbietet. Etwa 40 Mitglieder sind hier vertreten. 2002 ging die Sparte als BC Sande an den Start. Im sommer 2015 wurde allerdings die Heimspielstätte des Clubs geschlossen. Der Verein war gezwungen sich etwas Neues zu suchen und wurde in Schortens fündig. Seit 2017 gehört der Billardverein dem HFC an und ist mit der ersten und zweiten Mannschaft in der Verbandsliga Mitte aktiv. Bis kurz vor dem Lockdown durfte im Trainingsraum am Klosterweg sogar gespielt werden. „Die hatten ein vernünftiges Hygienekonzept ausgearbeitet“, sagt Fischer durchaus anerkennend. Auch in der Jugendarbeit zeigt sich die Sparte recht umtriebig. Mit mehr als zehn Jugendlichen gehört die Jugendabteilung zu den größten in Niedersachsen. Darauf ist man bei den Billardspielern stolz – zu Recht. Die Jugendlichen dürfen dabei auch schon im Ligaspielbetrieb angreifen und nehmen an Bezirks- und Landesmeisterschaften teil.
Jugendtraining und -ausbildung nimmt in vielen Sparten des Clubs einen besonderen Stellenwert ein. Mirko Bellack ist einer der Übungsleiter im Club, die sich hier stark engagieren. Dabei gilt der Blick des Karate-Trainers insbesondere der Prävention. „Gewalt an Kindern? Jetzt reichts!“ war ein mehrteiliger Kurs, den er zusammen mit der „International Martial Arts Federation“ zuletzt 2019 angeboten hat. Kindern der Schulklassen 1 bis 5 wurden hier gezielt Möglichkeiten der Selbstverteidigung unter anderem in Alltagssituationen auf Spielplatz und Schulhof aufgezeigt. Wie setze ich eine Schultasche zur Gefahrenabwehr ein? Wie verhalte ich mich, wenn ich in die Ecke gedrängt werde? Wo entstehen Gefahrenpunkte? Solche Fragen beschäftigten die Übungsleiter und Kinder. „Derzeit ist Mirko Bellack ebenfalls dabei, ein Konzept auszuarbeiten, wie Kurse auch über Videokonferenzen abgehalten werden können“, erzählt Peter Kühnl. „Für uns ist es einfach wichtig, die Bindung zu den Mitgliedern nicht zu verlieren. Das muss unglaublich gut klappen, sonst hätten wir wahrscheinlich mehr Austritte“, sagt er zufrieden mit dem anscheinend unermüdlichen Einsatz der Übungsleiter im Verein.
Neue Chancen
Aber gerade für die Zeit nach Corona, auf die alle hoffen, haben die Verantwortlichen beim HFC bereits Pläne in der Tasche: „Wir wollen den Gesundheitssport weiter ausbauen“, verrät Reinhold Fischer. Mit dem umgebauten ehemaligen Jugendheim am Klosterpark bieten sich dem Club neue Chancen. Das Gemeinschaftliche steht auch hier sehr im Fokus. Im Haus gibt es eine Küche in der Tee zubereitet und getrunken werden kann. „Es lief schon gut an“, sagt Fischer mit Blick auf die Wochen vor dem Lockdown. Neue Mitglieder meldeten sich an. Durch die Nähe zum Klosterpark lässt sich die Natur mit einbinden. Qi Gong oder Nordic Walking können hier ausgeübt werden. Der HFC steht in den Startlöchern. Das Ende der Pandemie wird sehnsüchtig erwartet.
