Hooksiel - Auf dem Steg vor der Segeljacht „Black Maggy“ stapelt sich Ausrüstung: Segel, Rettungsinsel, Lebensmittel, Klamotten. Skipper Wolfram Heibeck und seine Crew in Person von Thies Bartels sind dabei, alles sicher an Bord zu verstauen. Bald darauf springt der Motor an, die Festmacherleinen werden gelöst und die „Black Maggy“ verlässt ihren Liegeplatz beim Wassersportverein Hooksiel. Kurs: Wismar. Dort wird am 21. Juni, am Mittsommertag, die längste und härteste Ostseeregatta gestartet, die „MidsummerSail 2021“. Sie führt von Wismar, dem südlichsten Punkt der Ostsee, bis zu ihrem nördlichsten Punkt, dem kleinen schwedischen Hafenort Töre. Die Strecke ist 900 Seemeilen lang, das entspricht ungefähr der Entfernung zwischen Hooksiel und dem portugiesischen Atlantikhafen Porto. Zielmarke ist eine gelbe Posttonne, die allerdings als solche nicht mehr genutzt wird. Für die Regatta wurden nur 50 Segeljachten zugelassen – und eine davon ist die „Black Maggy“. Für den Hooksieler Wolfram Heibeck und den Kieler Thies Bartels soll der Traum, die Ostsee einmal in voller Länge zu durchsegeln, wahr werden.
Heibeck segelt eine 12,14 Meter lange Open 40, die mit ihren nur 3,2 Tonnen ein Leichtgewicht ist. Der Bootsbaumeister, der in Hooksiel den Betrieb „Spezialbootsbau“ führt, hat sie selbst konstruiert und gebaut. „Innovativer Bootsbau liegt mir im Blut“, hat er einmal gesagt. Innovativ ist auch die „Black Maggy“, vom verwendeten Hightech-Material Carbon bis zu den Foils, den gewölbten Tragflügeln am Rumpf. Die Segelfläche beträgt 200 Quadratmeter und mehr. Alle Komponenten zusammen verleihen ihr enormes Geschwindigkeitspotenzial. Im Revier ist sie eine Ausnahmeerscheinung und konkurrenzlos schnell.
Boot passt in kein System
Da die „Black Maggy“ bei Regatten in kein Vergütungssystem passt, ist Wolfram Heibeck immer wieder auf der Suche nach Wettfahrten, bei denen keine Verrechnungsformeln verwendet werden, die Reihenfolge im Ziel auch die der Ergebnisliste ist. „Dabei bin ich auf die ,MidsummerSail’ gestoßen“, erzählte Wolfram Heibeck, bevor er Richtung Wismar aufbrach.
Die „MidsummerSail“ wird in diesem Jahr zum fünften Mal ausgetragen. Der Rekord für die 900 Seemeilen lange Strecke liegt bei fünf Tagen, 17 Stunden und 38 Minuten. Heibeck, ein leidenschaftlicher und versierter Regattasegler, hofft, in fünf bis sieben Tagen das Ziel zu erreichen und dabei vielleicht auch ganz vorne mitzusegeln. „Der Reiz besteht für mich darin, eine so lange Strecke, die sonst nur auf dem Atlantik möglich ist, in einem anspruchsvollen Revier wie der Ostsee mit ihren zahlreichen navigatorischen Besonderheiten zu segeln“, erklärte der Hooksieler. Für die beiden Segler heißt das aber auch, ihre Kräfte sorgsam im Rhythmus von Wache- und Schlafzeiten einzuteilen.
Das Ziel liegt fast am Polarkreis
Wolfram Heibeck und Thies Bartels haben sehr viel Zeit in die Vorbereitungen für die längste Ostseeregatta gesteckt. Eigentlich hatten sie schon im vergangenen Jahr teilnehmen wollen, mussten dann aber wegen der mit den hohen Corona-Infektionszahlen verbundenen Beschränkungen absagen. Doch nun soll es endlich losgehen. „Wir freuen uns auf den Mittsommer. Töre liegt fast am Polarkreis, und dort wird es jetzt nachts nicht mehr dunkel“, sagte der „Black Maggy“-Skipper.
Für die Rückfahrt will er sich mehr Zeit nehmen und die Gelegenheit nutzen, Schweden kennenzulernen. Danach steht die Vorbereitung auf das nächste Regattaereignis an: die Teilnahme an der größten Einhand-Regatta der Welt, gemessen an der Zahl ihrer Teilnehmer, der Silverruder 2021 rund um die dänische Insel Fünen.
Den Verlauf der „MidsummerSail“ können Interessierte im Internet verfolgen.
