Hooksiel - Wenn die Bierzeltgarnitur im Cafeteria-Zelt eine Rückenlehne gehabt hätte, Stephan Mohrmann hätte sich wohl zufrieden zurückfallen lassen. So aber sitzt er am Sonntagnachmittag lächelnd und nach vorne gebeugt am Tisch und nippt hin und wieder an seinem dampfenden Kaffee. Der Vorsitzende des Reitvereins Hooksiel ist einfach nur glücklich, wenn er seinen Blick über die vielen Zuschauer beim Reitturnier auf der Anlage Oesterdieken schweifen lässt. Gerade rechtzeitig haben es die Vereinsmitglieder geschafft, nach vielen Arbeitsstunden den Zaun am Dressurplatz und das Dach der Reithalle herzurichten sowie die Verlängerung der Boxen abzuschließen. „Jetzt fehlt uns eigentlich nur noch ein Rasenplatz. Das ist einfach die Königsklasse“, sagt er und grinst, wenn er an die großen Springturniere in Aachen oder Spruce Meadows in Calgary (Kanada) denkt.
Kein Stillstand trotz Corona
Größenwahnsinnig wird der Vereinsvorsitzende jetzt nicht. „Es ist einfach ein bisschen Spinnerei dabei“, erklärt er. Dass der Vergleich mit den großen Turnieren dieser Welt hinkt, weiß er. Dennoch wird klar, dass Stillstand nichts für den umtriebigen Vereinsvorsitzenden ist. Selbst aus der Corona-Zeit nimmt er Positives mit. Im vergangenen Jahr richtete der Hooksieler Reitverein sein Turnier noch mit Hygienevorschriften aus. Maskenpflicht, Abstandsregelungen, Impfnachweise – all das waren Themen, mit denen sich die Turnierorganisatoren auseinandersetzen mussten. Entsprechend stellten sie Verpflegungsstände neu auf und richteten Laufwege neu ein. Einiges hat sich dermaßen bewährt, dass der Club es beibehalten hat. Dass die Hygienevorschriften in diesem Jahr gefallen sind, darüber ist Mohrmann allerdings alles andere als böse. Das geht nicht nur ihm so. „Es fällt richtig auf. Die Leute sind froh, wieder auf ländlichen Turnieren zu sein“, sagt Ralf Ulfers. Der Schortenser ist Wertungsrichter und im gesamten Bereich Weser-Ems unterwegs. „Man trifft in diesem Jahr viele, die man schon lange nicht mehr gesehen hat.“
Stammgäste aus der Region dabei
Natürlich sind beim Reitturnier in Hooksiel auch die Stammgäste aus der Region dabei. Auch wenn die Zahl der Nennungen auch in Hooksiel weiter rückläufig ist, die Starterfüllung, also die Zahl der Reiter, die wirklich auch zur Prüfung antritt, ist gut. Insbesondere die E- und A-Springen – also für Einsteiger und Anfänger – erfreuen sich großer Beliebtheit. Deutlich ausgedünnter ist das Feld bei den anspruchsvolleren Prüfungen. „Durch Corona ist tatsächlich eine Leistungslücke entstanden“, erklärt Usha Hafermann. Sie ist Verbandsjugendwartin beim Pferdesportverband Weser-Ems und am Wochenende ebenfalls beim Turnier als Wertungsrichterin aktiv.
Auch wenn immer mehr Reitturniere von der Bildfläche verschwinden, angesichts der vielen Kinder und Jugendlichen beim Wettbewerb in Hooksiel muss einem um den Sport an der Nordseeküste nicht Bange werden.
