Jever - Beim FSV Jever nennen sie Christian Urban nur noch den „Baumeister“. Nicht erst seit dem Beginn der Corona-Pandemie hat der 51-Jährige seine Leidenschaft für Bauprojekte bei den „Kiebitzen“ entdeckt. In seiner Freizeit sieht man ihn fast immer rund ums neue Vereinsheim werkeln. Aktuell verlegt er hunderte Quadratmeter Pflastersteine neu. Mal hat er Hilfe, mal steht er allein mit Schippe und Wasserwaage neben dem Kunstrasenplatz und richtet Stein um Stein aus.

Auch die Konstruktion der Sitzbänke an der Vereinsheimwand geht auf seine Kappe. 88 Bohrlöcher, 88 Dübel, 88 Schrauben, acht verschlissene Bohrer und sechs Stunden Montage heißt es dazu in einem Text auf der Webseite des FSV. Hinzu kommen sicherlich auch ein paar Flüche.

Die „Kiebitze“ sind stolz auf ihren kreativen und engagierten „Geist“, der im Hintergrund schafft. Christian Urban ist solch ein Rummel um seine Person eigentlich gar nicht so recht. Im Rampenlicht fühlt er sich ein wenig unbehaglich und sieht sein Tun eher pragmatisch: „Früher haben mich sehr viele Leute unterstützt, mir die Schnürsenkel zugebunden oder mich zu den Auswärtsspielen gefahren haben. Ich kann jetzt etwas zurückgeben. Zwar nicht an die Personen, die mir geholfen haben, aber an die Gemeinschaft.“

Er selbst hat lange Zeit selbst gekickt. Mittelstürmer, das war sein Ding – beim FC Sandkrug, in Eversten, dann beim TV Glück Auf Oldenburg, in Ahlhorn, Hude und Rastede. Stationen hat der gebürtige Oldenburger einige hinter sich gebracht. Der Job als Firmenkundenberater bei einer Bank hat ihn schließlich nach Jever geführt, auch wenn er eigentlich in Aurich arbeitet. „Als mein Sohn im Alter von vier Jahren in den Fußballverein eintrat, habe ich beschlossen, mich auch zu engagieren“, sagt Urban. Das bedeutete für ihn erst einmal Trikots für die Mannschaft zu organisieren. Heute plant er Projekte, organisiert Material und Helfer. Der Verkaufswagen ist eines dieser Projekte. „Wir haben auch den Ballraum und die Schirikabinen wieder fit gemacht“, sagt er.

Die Küche aus dem alten ins neue Vereinsheim umbauen: Für Christian Urban ist das heute kein Problem mehr. „Alles Bautechnische habe ich mir selbst beigebracht. Mittlerweile kenne ich auch eine ganze Menge Menschen in Jever, da kann ich auch mal nachfragen.“ Sein Job als Firmenberater kommt ihm da sehr entgegen. Kontakte entstehen so ganz automatisch. Aber er greift auch gerne auf das Know-How der Mitglieder im Verein zurück.

Wer sich so für seinen Verein stark macht, muss doch auch in die Vereinsführung, mag mancher meinen. „Ich mache das, was mir Spaß macht, dafür brauche ich nicht in den Vorstand. Ich habe hier keine offizielle Aufgabe und spiele nur bei den Altherren“, erklärt der 51-Jährige. „Es wäre aber schön, wenn es noch ein paar mehr verrückte Leute im Verein geben würde“, sagt er. Denn Arbeit ist reichlich vorhanden. Den FSV Jever vergleicht er gerne mit dem FC Rastede. „Da sind viele, mit denen ich gespielt habe, jetzt im Vorstand des Vereins. Das fehlt hier ein wenig. Da müssen wir hin. Das geht nur mit den Jungs aus dem Ort. Die müssen wir halten, aber dafür brauchen wir auch die passenden Rahmenbedingungen.“

Um die zu schaffen, greift er gerne nach Feierabend zu Schaufel und Akkuschrauber. Denn den FSV Jever sieht er als einen Club mit viel Potenzial. Christian Urban möchte seinen Beitrag dazu leisten, den jeverschen Verein voran zu bringen. „Und ich freue mich, wenn etwas fertig gestellt wird.“ Dass das alles in Corona-Zeiten ein wenig länger dauert, muss er ertragen. „Früher hätten wir eben für manche Dinge schnell 20 Leute zusammengetrommelt und danach wird gegrillt. Dass das gerade nicht geht, ist sehr schade.“ Das Gemeinschaftliche liegt ihm am Herzen. Und das darf auch schnell wieder zurückkommen. Besser heute als morgen. Denn Projekte hat Christian Urban noch reichlich im Kopf.

Thomas Van Lengen
Thomas Van Lengen Redaktionsleitung Sport, Jeversches Wochenblatt, Wilhelmshavener Zeitung