Jever - Jahreshauptversammlungen von Sportvereinen stehen in diesem Sommer alle unter dem Zeichen der Coronakrise. Doch es fühlt sich schon wie ein Erfolg an, dass solche Veranstaltungen überhaupt wieder stattfinden können. Der MTV Jever hatte seine Mitglieder gestern Abend in den Schützenhof eingeladen, um einen neuen Vorstand zu wählen, Mitglieder für ihre langjährige Treue zu würdigen, und über die Auswirkungen der Pandemie auf das Vereinsleben zu sprechen.

„Fast das komplette Jahr 2020 war durch die Corona-Pandemie geprägt“, unterstrich auch der Vorsitzende des MTV, Stefan König, in seinem Jahresbericht. Ab März mussten die Sportvereine sämtliche Angebote einstellen. Während der Lockdown-Phasen, besonders im vergangenen Winter, überbrückte der MTV die Zeit mit Live-Training über den Videodienst Zoom. „So konnten wir den Sport zumindest teilweise nach Hause bringen“, berichtete König. Trotz aller Bemühungen brach über den Verein eine Austrittswelle herein. 235 Mitglieder verloren die Jeveraner im Jahr 2020, bis zum 1. Juli diesen Jahres waren es sogar insgesamt 455. Das entspricht einem Rückgang von etwa 15 Prozent und lässt den MTV auf eine Mitgliederzahl von 2144 zurückfallen, was dem Niveau von 2012 entspricht – damals zählte der Verein zum Jahresende 2141 Mitglieder. „Lediglich die Tennisabteilung konnte einen kleinen Anstieg der Mitgliederzahlen verbuchen“, erklärte König. Tennis war lange der einzige Vereinssport, der im Einzel weiter gespielt werden durfte. „Wir müssen die Mitglieder wieder zurückgewinnen“, machte König deutlich, „unsere finanzielle Lage ist zwar nicht existenzbedrohend, aber wir müssen feiner kalkulieren als sonst.“ Nach den Sommerferien soll eine weitere Aktion des Vereins folgen, nachdem der Tag der offenen Tür im Gerätepark schon 30 neue Mitglieder hervorgebracht hat. Das Finanzergebnis 2020 sei aus der Sicht des Vorstandes noch als zufriedenstellend zu bezeichnen. Den geringen Einnahmen standen weggefallene Ausgaben für Fahrtkosten, Meldegebühren und Aufwandsentschädigungen für die Trainer gegenüber.

„Der Verein konnte jederzeit seinen Verpflichtungen nachkommen“, unterstrich König. Und so ist es den Marienstädtern auch möglich, an bereits länger geplanten Investitionen festzuhalten. So muss und wird das komplette Dach der Top-Fit-Anlage erneuert werden und die 40 Jahre alte Beregnungsanlage für die Tennisplätze ausgetauscht. Hier kommen Kosten in Höhe von rund 170 000 Euro auf den Verein zu, für die es Zuschüsse vom Landessportbund in Höhe von 30 Prozent gibt. „Wir werden Darlehen über 80 000 Euro aufnehmen“, sagte König, „Wir wussten, dass das auf uns zukommt und haben dementsprechend bereits Rücklagen geschaffen. Den Berichten des Vorstands, der Abteilungen und der Rechnungsprüfer sowie der Ehrung der Mitglieder (siehe Infokasten) folgte die Entlastung des alten und die Wahl des neuen Vorstands.

Stefan König wurde einstimmig im Amt des Ersten Vorsitzenden bestätigt. Die stellvertretenden Vorsitzenden Sarah Neumann, Manuela Wilhelms sowie Stefan Lüken wurden ebenfalls einstimmig für zwei weitere Jahre wiedergewählt. Ulrich Weigert kandidierte aus privaten Gründen nicht mehr für den Vorstand. Da sich niemand anderes für das Amt des Stellvertreters zur Wahl stellte, besteht der neue Vorstand aus einer Person weniger als zuvor.

Auf die Verleihung des Flame-Award verzichtete der MTV in diesem Jahr. „Wir wollen aus diesem Jahr ohne Sport niemanden herausheben und den Award somit leichtfertig vergeben, nur weil es dazugehört“, erklärte Stefan König bereits im Vorfeld.