Jever/Schortens - Die Sporthallen sind geschlossen, aufgrund der Corona-Pandemie darf nicht mehr trainiert werden. Handballer, Fußballer und Co. sind dazu angehalten, sich in Eigenverantwortung fit zu halten. Einfache Laufeinheiten sorgen aber schon in der Vorbereitung auf die Spielzeiten nicht immer für Begeisterungsstürme. Entsprechend schwer fällt es den Trainern mitunter, ihre Spieler bei Laune und die Motivation hoch zu halten – insbesondere dann, wenn niemand weiß, wann es tatsächlich weitergehen kann. Es sind kleine Kunstgriffe gefragt. Beim FC Rot-Weiß Sande laufen die zweite Männermannschaft und das Frauenteam aktuell zugunsten des Kinder- und Jugendhospiz Joshuas Engelreich in Wilhelmshaven. Eine ähnliche Idee verfolgen die Handballer der HG Jever/Schortens. Nutznießer ihrer Aktion sollen allerdings die eigenen Fans sein.
Spieler brauchen ein Ziel
„Ich habe mir auch Gedanken gemacht, aber erstmal zwei Wochen abgewartet.“ HG-Trainer Henning Cassens fiel schnell auf, dass seiner Mannschaft in der Zeit des Lockdowns der Anreiz fehlt. „Die Jungs brauchen ein Ziel. So kam ich auf die Idee, das Sportliche mit den Sozialen Medien und damit mit den Fans zu verknüpfen.“ Binnen 16 Tagen will sein Landesliga-Team nun versuchen, so viele Kilometer wie möglich zu laufen. Die Handball-Fans sollen schätzen, wie viele Kilometer erreicht werden und diesen Wert auf der Facebook- oder Instagram-Seite der Mannschaft posten. Für jeden erreichten Kilometer spendet das Sporthaus Jever dabei zehn Cent. Am Ende wird abgerechnet, denn die Spieler geben ihre Werte direkt per Handy-App ein. Der Gesamtbetrag wird in Form von Einkaufsgutscheinen beim Sporthaus ausgeschüttet. Das erlaufene Geld wird zu 50 Prozent an den Gewinner ausgeschüttet, der zweite Platz erhält 30 Prozent und 20 Prozent gehen an den drittplatzierten Tippspieler.
„Ich habe gesagt, dass jeder von meinen Spielern 30 bis 40 Kilometer schaffen soll. Natürlich ist der eine oder andere verletzte oder angeschlagene Spieler dazwischen. Da muss man mal schauen, was am Ende dabei herauskommt“, erklärt Cassens. Insgesamt 20 Handballer sind beim Lauftraining der etwas anderen Art dabei.
Videokonferenz als Trainings-Hilfsmittel
Am vergangenen Dienstag hat Henning Cassens die Idee seiner Handball-Mannschaft in einer Videokonferenz vorgestellt. Dann ging’s los. Die ersten Kilometer sind bereits eingetragen. Teilnahmeschluss ist der 12. Dezember um 24 Uhr. Unabhängig davon hat das Trainerteam der HG die Videokonferenz als Trainingshilfsmittel für sich entdeckt. „Bis Weihnachten treffen wir uns immer dienstags per ,Zoom’ und machen dann ein Training mit Therabändern“, sagt der Coach. Co-Trainer Dietmar de Vries leitet die Einheiten. „So sind wir auch als Mannschaft zusammen, man sieht sich, man kann quatschen. Auf diese Weise halten wir das Mannschaftsgefühl am Leben. Nicht zu machen, ist keine Alternative.“
