Wilhelmshaven - Legt man Elemente verschiedener asiatischer Kampfkünste und das europäische Boxen zusammen, entsteht der moderne und noch relativ junge Wettkampfsport Kickboxen.
„Es wurde in den 1970er Jahren in Amerika entwickelt. Charakteristisch sind die zum Beispiel aus dem Karate und Kung-Fu übernommenen Tritte in Verbindung mit Schlagtechniken des Boxens“, erzählt Claude Weiland, Leiter des SDS Wilhelmshaven.
Im Kickboxen werden Kämpfe mit Schutzausrüstung ausgetragen. Die häufigsten Systeme sind dabei Pointfight, Leicht- und Vollkontakt. Alle Systeme haben eins gemeinsam: sie setzen sich aus Grundtechniken wie Ausweich-, Block-, Faust-, Fuß- und Sprungaktionen zusammen. Jedes System setzt für sich aber unterschiedliche technische und taktische Schwerpunkte und verfügt jeweils über eigene Regeln.
Die drei Systeme
Beim Pointfight wird mit leichtem, aber deutlichem Kontakt gekämpft, die Treffer dürfen jedoch keine Wirkung zeigen. „Pointfight wurde früher auch Semikontakt genannt. Nach einem Treffer wird der Kampf unterbrochen“, erklärt Weiland. Nach Wertungsvergabe wird der Kampf von der Ausgangsposition neu gestartet. Im Laufe seiner Entwicklung hat sich Pointfight sowohl taktisch als auch technisch deutlich vom Voll- und Leichtkontakt abgegrenzt.
Beim Leichtkontakt wird der Kampf nicht nach einem Treffer unterbrochen, sondern die Punkte der Kämpfer werden summiert. „Wie es das Wort schon sagt, wird dabei nur mit leichtem Kontakt getroffen“, sagt der Kickboxtrainer. „Beim Vollkontakt ist hingegen das Ziel, das K.o. des Gegners mit vollem Körperkontakt zu erzielen.“ Das kann sowohl ein technisches als auch ein körperliches K.o. sein. Wirkungstreffer sind beim Vollkontakt dadurch erlaubt, ansonsten wird der Kampf nach Punkten entschieden. Er wird mit vollem Körperkontakt geführt. „Wenn man sich für Kickboxen entscheidet, geht man in der Regel auch nur in eine Richtung. Es kann sein, dass man vielleicht mal ein zweites System streift, aber man fokussiert sich schon immer auf eins“, erklärt der SDS-Leiter. Daher empfiehlt er, die drei Systeme vorher auszutesten, bevor man sich für eine Richtung entscheidet.
In den Anfängen des Kickboxens existierten weder ein einheitliches Regelwerk noch verbindliche Vorschriften zur Schutzausrüstung. Die Kämpfer veranstalteten Turniere, um ihre Fähigkeiten zu erproben und die Vorteile verschiedener Systeme miteinander zu vergleichen. In diesen offenen Kämpfen fügten die Sportler sich häufig schwere Verletzungen zu, sodass Anfang der 1970er Jahre der in Amerika lebende Koreaner Joohn Rhee eine Schutzausrüstung für den Sport entwickelte. Das war ein erster Schritt zum organisierten Wettkampfsport. In den folgenden Jahren entstanden bald feste Wettkampfregeln. Auch gab es in den Anfängen noch keine Gürtelprüfungen. Erst Anfang der 90er Jahre kamen erste Prüfungsordnungen dazu. „Nur weil es ein Wettkampfsport ist, bedeutet das nicht, dass man zwingend auf Wettkämpfe gehen muss. Manche gehen auch einfach nur regelmäßig zum Training“, erzählt Weiland.
Kondition verbessern
Das Kickboxen kann man in jedem Alter anfangen „Die Kinder fangen bei uns mit sechs, sieben Jahren an. Der Älteste wird 60 Jahre alt.“ Auch spiele fehlende Fitness keine Rolle – ganz im Gegenteil: „Man powert sich beim Training aus. Kickboxen ist besonders gut für die Kondition. Auch wenn man am Anfang vielleicht häufiger Pausen machen muss, merkt man schnell, wie man sich verbessert.“ Außerdem schule Kickboxen die Reaktions- und Koordinationsfähigkeit.
